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Sonnengoldene Narzissen, wie sie es wissen, wann die rechte Zeit ist, denn alles im Leben hat seine Zeit, sagt der Prediger Salomo, und jede Narzisse weiß es auch. Und ich muss es Tag für Tag lernen. Gisela Munz-Schmidt
Es blühen die Zärtlichen, Zarten.
Vorbei alles Warten.
Sonne wächst aus dem Garten.
Gisela Munz-SCHMIDT
„Denn das Kleine entzückt vor dem Großen,
und das Blau ist ewiger als das Rot.“
Gisela Munz-Schmidt
Violett Ich mische kühles Blau und warmes Rot, und es entsteht auf der Palette das Violette. Die Farbe früher Veilchen, des ersten Frühlings Lieder. Die lila Aster spät im Jahr. Und auch, wie wunderbar, der Duft von frischem Flieder. Gisela Munz-Schmidt Das Veilchen Warum lieb ich dich so? Das Kleine? Das Feine? Das Reine? Das Meine? Weil ich mich bücken muss, um das Entzücken zu erleben. Weil ich den Duft liebe und die vielen Gedichte, die sich mit dem Veilchen befassen. Doch pflücken soll ich es nicht. Ich will es für andere stehen lassen. Gisela Munz-Schmidt
Osterglocken
…wiegen sich im Wind
in der Wiese und im Park
wild und kultiviert…
Gisela Munz-Schmidt
Wie bekannt ist, heißen Osterglocken Narzissen, nach Narziss, einem griechischen Adonis. Ein Beau.
Narziss
An eines Sees oder Flusses Gestaden
zog er sich aus. Er wollte baden.
Im Wasser sah er sein Spiegelbild
verheißungsvoll lächeln,
betörend mild,
hinreißend wild,
mit gleichem maßlosen Begehren.
„Du bist so schön, ich liebe dich.“
Er wollte sich nicht wehren.
Und da versank er
in sich.
Er ertrank.
Gisela Munz-Schmidt
Am Ufer erblühten dann die ersten Narzissen.
Den Frühling finden
Die Sonne, die Wärme, die Osterglocken
wollen ins Freie und Weite dich locken.
In Gärten, zwischen Polstern und Blütenkissen,
wiegen sich die Prachtnarzissen.
Oder sieh doch! Diese
stehen heiter in der Wiese
mit leuchtendem Gelb und frischem Grün,
schau nur, wie sie üppig blühen!
Schnür deine Schuh und mach dich bereit:
Jetzt kommt die unbeschwerte Zeit!
Gisela Munz-Schmidt
Gänseblümchen Erinnere dich: Die Welt war weiß voll Schnee. Aber alles weggeschmolzen, fortgeweht und hingetaut, und nun sehen wir, entzückend und vertraut, diese süßen kleinen Gänseblümchen auf der grünen Wiese. Gisela Munz-Schmidt Purpurne Blüten in unserem Garten: Das ist Naturlyrik pur!
Fotos: Gisela Munz-Schmidt
Ich weiß, es ist zu früh für Rosen, jahreszeitlich.
Aber es ist nie zu früh oder zu spät, die Fülle zu fühlen oder durch neue Pforten zu gehen. Überall und irgendwo stehen Türen offen.
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Ausweg Kalter Regen schnitt in alte Spinnweben und bleiern bleckte der Asphalt. Da lief ich und holte mir einen Arm voll Rosen. Gisela Munz-Schmidt Aus: Kleine Gedichte Große Gefühle
Liebe Geh doch zu den Rosen, wenn du wissen willst, was Liebe ist. Sich öffnen. Sich verströmen. Sein Äußerstes und Innerstes geben. Trotz Regen und Sturm und Wind für die Sonne leben. Gisela Munz-Schmidt Aus: Kleine Gedichte Große Gefühle
Heute, an Mariä Lichtmess, will ich mich Maria widmen. Ich beschäftige mich zur Zeit unter anderem mit der Mondsichelmadonna oder auch Strahlenkranzmadonna, denn ich lebe im Bodenseeraum in einer kulturkatholisch geprägten Gegend mit zahlreichen Kunstschätzen, welche die Mutter von Jesus darstellen.
In unserem Winter-und Weihnachtsbuch ( mit Aquarellen von Sibylle Buderath im Verlag Stadler Konstanz) steht mein Gedicht in etwas geänderter Fassung:
Maria Wer bist du? Niemand weiß es genau. Mutter. Göttin. Frau. Du hast dein Kind auf die Welt gebracht unter Schmerzen wie wir. Licht in die Nacht. Wir sehen dich wieder übergroß, Pietà, den gekreuzigten Sohn auf dem Schoß. In Mandorla und Rosenkranz wirst du verehrt im Kerzenglanz. Deine Farben sind uns von jeher vertraut. Vergangen bist du und ewig. Glatt bleibt deine Haut. Du hast gelebt, geliebt, gelitten, gebüßt. Maria. Sei mir gegrüßt. Gisela Munz-Schmidt
Rosenkranzaltar in der Pfarrkirche St. Peter und Paul in Owingen:
Als Mondsichel- oder Strahlenkranzmadonna wird in der christlichen Ikonographie ein Marienbildnis bezeichnet, das durch die Beschreibung der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes geprägt ist. Die Mutter Gottes steht auf einer Mondsichel, die manchmal auch von einer Schlange umwunden ist, hält meistens das Jesuskind auf dem linken Arm und in der Rechten oft ein Zepter.
Offenbarung 12: ( Übersetzung Martin Luther)
„Und es erschien ein großes Zeichen im Himmel: ein Weib, mit der Sonne bekleidet, und der Mond unter ihren Füßen und auf ihrem Haupt eine Krone von zwölf Sternen.“
Die treue Amme auf Bodman Zu Bodman im großen Rittersaal saßen Herren beim Rittermahl anno 1307, so hat es der Chronist geschrieben. Zwar war der Hausherr gerade auf Reisen, doch auch ohne ihn ließ es sich trefflich speisen. Sie aßen und zechten und lachten, nichts Böses sie ahnten, sie machten Pläne, redeten, tranken und breiteten aus so manchen Gedanken und erzählten vielleicht auch so manchen Witz. Da plötzlich! Aus düsterem Himmel ein Blitz! Und dann ein grollender Donnerschlag, die Nacht grell erleuchtet wie heller Tag. Es saßen todgeweiht die Ritter mitten in diesem Feuergewitter. Und ach! Eine riesige lodernde Flamme! Das sah tief erschrocken die treue Amme. Ihr Herz, das zuckte: „Das Kind! Der Erbe! Was kann ich tun, dass er nicht sterbe!“ Versperrt durchs Feuer waren Stiegen und Gänge, doch unten standen die Leut im Gedränge und sahen entsetzt und fassungslos das lichterloh brennende Ritterschloss. Da nahm die Amme ganz geschwind das geliebte Kind und packte es in Kissen ein, legte es in einen Kessel hinein, verschloss denselben, einen Spalt ließ sie offen und rief hinunter, mit Bangen und Hoffen: “Hebt auf das Kind! Nehmt in Gotts Namen an es, es ist der Erbe, der kleine Johannes!“ Im Gestrüpp blieb er hängen, im Kessel gebettet, die Leute fanden ihn, das Kind war gerettet. Der Burgherr selbst, als er kehrte zurück, fand Unglück vor, doch fand er auch Glück, seine Burg zwar verbrannt, doch sein Kind am Leben. Was kann es größere Freude geben? Alle von Bodman, die nach ihm kamen, tragen bis heute Johannes im Namen. So ist es geschehen, vor langer Zeit. Die treue Amme hieß Adelheid. Gisela Munz-Schmidt Nach: Theodor Lachmann, Sagen und Bräuche am Überlinger See
Wo die Burg gestanden, ließ der Burgherr Hans von Bodman eine Kapelle bauen zu Ehren „Unserer lieben Frauen“, weshalb der Berg von jetzt an Frauenberg genannt wurde.
Siehe auch die ausführliche BROSCHÜRE
Der Frauenberg
Sagen vom Bodensee
Das Nebelmännle von Bodman
Das Nebelmännle von Bodman Das Trübe, Vage, Falbe, Nasse, das Ungewisse und das Blasse, feuchtes Wabern, hell und bleich, das ist des Nebelmännleins Reich. Blicklos, sichtlos, weiß wie Milch, im Nebel herrscht der kleine Knilch. In seinen fahlen grauen Schwaden bewirkt das Männlein manchen Schaden, sein Nebelstreif erschafft den Reif an ersten zarten Rebenblüten, und auch die Fischer sollten sich hüten, dass der Nebel sie nicht gänzlich verwirre und sie führe in die Irre und das Männlein sie in die Tiefe zieht, wie das so manches Mal geschieht. Doch einem Herrn von Bodman verhalf es zum Glück. Blicken wir in das Vergangene zurück: Der Ritter, bevor er verließ sein Haus, tauschte liebend zwei goldene Ringe aus, wenn nach sieben Jahren er nicht wiederkäme, seine Liebste einen anderen zum Manne nähme. Er ritt in die Ferne, sah Länder weit, sah Berge und Meere, so verging die Zeit. Da lockte ihn auf einen Hügel ein Licht. Ein kleines Männlein zu ihm spricht. Es wollte ihm ein Versprechen entlocken. Ihn störten so sehr die Nebelglocken! Wenn der Ritter das Läuten unterbinde, er seine Braut gleich wiederfinde. Schneller als Wind und alle Pfeile, wie des Menschen Gedanken so schnell er eile nach Bodman. Als dann die Braut ihrem Glas einen Ring entnahm, erkannte sie ihren Bräutigam. So drang der Liebe Sonnenschein in den dichten Nebel ein. Und versprochen! Wahrhaftig bis heute schweigt der Nebelglocken Geläute. Gisela Munz-Schmidt Nach: Theodor Lachmann, Sagen und Bräuche am Überlinger See
Heute möchte ich es mit einer Sage ganz genau nehmen und den Unterschied zwischen Vorlage, Ausarbeitung und Deutung aufzeigen.
- Die Vorlage
- Meine Gestaltung als Ballade
- Meine Deutung
Die Vorlage, meine Quelle, steht unter dem Titel „ Das Ritterfräulein von Hohenbodman“ in der Sammlung des Überlinger Arztes und Museumsgründers Theodor Lachmann unter der Rubrik „Owingen mit Bambergen und Hohenbodman“ als Nr. 91 auf Seite 113 in der Ausgabe von 1972.
….Früher, namentlich um die Fastenzeit, sah man manchmal eine Frauengestalt im weißen Gewand um den Turm spazieren gehen. Auch will man dort einen feurigen Mann oder auch ein Licht wahrgenommen haben, die aber verschwanden, wenn man auf sie zuging. Der Sage nach hatte dereinst ein Ritterfräulein von Hohenbodman eine Liebschaft mit einem Burschen der Gegend, der weit unter ihrem Stand war. Bei einem Stelldichein mit ihrem Geliebten wurde sie von ihren Brüdern getroffen und von ihnen auf der Stelle ermordet. Unter dem Turm soll sich ein Keller mit Schätzen befinden, unter ihnen ein goldenes Kegelspiel. Aber niemand kann es finden….
Meine Gestaltung:
Meine Deutung
Mein zentrales Motiv war die Liebschaft des Fräuleins und des Burschen. Ich habe mir ausgemalt, wie es dazu kommen konnte, und eine Notsituation erfunden, die einen hohen emotionalen Druck erzeugte. Der Bursche hatte Todesangst vor den Wölfen, die hier als fürchterliche Bedrohung eingesetzt sind. ( Das hat mit meiner persönlichen Meinung zu wirklichen Wölfen nichts zu tun! ) Auch das Fräulein hatte Angst, und es war ihr unheimlich – wilde Wölfe, Mondnacht, klirrende Kälte – das alles wühlte sie auf.
Die Liebesgeschichte reduziert sich auf die Frage: Kannst du mir Zuflucht geben? Und die Antwort durch eine Handlung : sie…ließ den Burschen ein.
Durch eine Sondersituation waren die Standesunterschiede aufgehoben, zwei Menschen begegneten einander, die dieselben Gefühle verband. Ich fand es schön, dass sich die symbolhafte Wolfshorde in ein goldenes Kegelspiel verwandelte. Das Triebhafte, Angstbesetzte wurde zivilisiert und veredelt, ich glaube, durch die Liebe.
Die Strafe der Brüder habe ich weggelassen, weil ich den von mir gewählten Kern der Geschichte nicht zerstören wollte. Den Brüdern waren andere Werte wichtig, und durch den Mord, hier ein Ehrenmord, gab es die sogenannten Unerlösten, die Wiedergänger und Untoten, die als Lichterscheinungen oder Feuergestalten umhergehen und spuken müssen. Das wäre ein anderes Sagenmotiv, das häufig in verschiedenen Gegenden vorkommt. Ich aber wollte die schicksalhafte phantasierte Begegnung des Liebespaares einfach so folgenlos stehen lassen.
Ich bin nicht oft so weit über eine Vorlage hinausgegangen. Darf ich das? Aber natürlich! Dazu berechtigt mich meine Licentia poetica, meine dichterische Freiheit.Inzwischen habe ich eine andere Interpretation geschrieben:
Das Ritterfräulein von Hohenbodman Um den Turm herum eine weiße Gestalt, ein Ritterfräulein, die Sage ist alt, erlag dereinst der Liebe Gewalt. Ihren Liebsten sie fand unter ihrem Stand. Die Liebschaft jedoch war von kurzer Dauer, ihre Brüder legten sich auf die Lauer und ermordeten grausam sie und ihn. Unerlöst sieht man nachts um die Burg sie ziehn. Gisela Munz-SchmidtWilderich Graf Bodman : „ Diese Sage entbehrt jedenfalls einer nur annähernden historischen Bestätigung.“
Vergleiche dazu die Sage von Albero von Bodman und den von Graf Bodman erläuterten historischen Hintergrund.
Aufstehen und große Augen machen. Und den Tag einfach kommen lassen. Mehr lachen. Das sind meine Vorsätze für das neue Jahr! Und natürlich gibt es auch Wünsche…
In dieser Zeit Wenn die Kinder fragen: Wie lange noch? Wenn die Eltern seufzen: Wie viel noch? Wenn die Alten denken: Wie oft noch? Wissen alle: Die Zeit ist nah. Gisela Munz-Schmidt Aus: Winter- und Weihnachtsbuch
Es wurde nicht nur ein Friedhof geschändet. Was dann? Der Glaube. Und sie zerstörten nicht nur Kreuze. Was sonst? Hoffnung. Und es wurden nicht nur Steine beschmiert. Was noch? Wiedergutmachungsversuche. Und es wurden nicht nur die Toten beleidigt. Wer denn? Ihre Angehörigen, ihre Freunde, die Erbauer der Gräber, ihre Nachbarn und überhaupt… Wer überhaupt? Du. Ich. Gisela Munz-Schmidt Aus: Gedichte gegen Gewalt mit Bildern von Horst Müller
Weitere Auszüge aus „Gedichte gegen Gewalt“ finden sich unter der Rubrik Themen .