Gisela Munz-Schmidt

Lyrik vom Bodensee

Flugzeugunglück am 1.Juli 2002 über Owingen und Überlingen

Dunkel wachsen die Birken aus dem Schnee wie Erinnerungen…
Artikel von Gisela Felicitas Köhns im Südkurier vom 27. Juli 2002

Als Gastgeschenke der Gemeinde Owingen wurden die zweisprachigen Gedichte den Angehörigen übergeben, anlässlich der Reise nach Baschkortostan 2003
Bei der Trauerfeier auf dem Friedhof in Ufa, Baschkortostan

Für einen englischen Privatsender geschrieben
Gisela Munz- Schmidt

Über die Einladung des Staates Baschkortostan im Winter 2003 habe ich mich sehr gefreut und geehrt gefühlt, dafür bin ich heute noch tief dankbar.

Wege zum Wasser

Marita Hornberger
Am Wasser II 2007
Acryl auf Maltuch
Wasser

Mach mich doch nass -
es sprinkelt und glitzert und spritzt,
es perlt und trieft und tröpfelt,
es wellt und quillt und patscht,
es gluckst und glänzt und blubbert,
es schlabbert und schlubbert,
es quirlt und strudelt,
es sprudelt -
Wasser macht Spaß!

Gisela Munz-Schmidt
Aus: Wege zum See
Foto: Georg Schmidt
Water

It sprinkles
and splishes
and sploshes
and splashes.
It rushes
and dashes.
It hurts 
and it cools.
It is fear 
and it‘ s fun.
It fools
with the wind
and it smiles
with the sun.

Gisela Munz- Schmidt
From: My Way along Lake Constance
Foto: Georg Schmidt
Ein Kinderleben

Ein Kinderleben, ein Kinderland,
braucht Sonne und Hände, Wasser und Sand.

Hinter dem Deich und hinter dem Damm
hört die Welt auf, fängt die Welt an.

Hinter der Düne und hinter dem Deich
ist alles anders, sind alle gleich.

Bei Ebbe und Flut 
ebbt alles ab, wird alles durchflutet,
und alles ist gut.

Gisela Munz-Schmidt
The Water in the Lake

Water of constant flow.
Water from ice and from snow,
from running falls of the mountains,
water of rivers and fountains,
water from streams and from brooks and from wells,
of rain, that fell drop by drop,
water that seeps and that swells.
Vapour and condensation.
Abundance and concentration.
Eternal circle
without any stop.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance
Mein Fluss. Der Neckar

Wie jeder seine Bahn,
wie jeder seinen Weg,
so hat auch jeder
seinen Fluss.

Mein Fluss ist schmal und breit,
fließt zügig und hat Wehre.
Mein Fluss hat Arme alt und neu,
fließt dicht und dunkel aus der Kinderzeit
und hell und klärend durch die Zeit der Lehre.
Er mündet schwer beladen.

Wenn ich ihn heute suche,
sehe ich,
wie sich die Bahnen
und die Wege ändern.
Und finde doch den alten Schimmer
und die alten Stege
an seinen goldenen grünen Rändern.

Gisela Munz-Schmidt

Am Neckar in Heilbronn
2022
Das Wasser

Es ist Stauung und Fluss.
Entzücken. Verdrießen.
Ist Stocken und Gießen.
Ist Starren und Schießen.
Ist Woge und Wiege und Welle.
Ist Quelle, Sog, Wirbel und Schnelle.
Ist Schnee auf dem Dach 
und ist Eis unterm Fuß.
Ist Qual und ist Not und ist Strafe und Muss.
Ist Kuss auf den Lippen,
Glanz, Gunst und Genuss.
Es ist Anfang und Mitte und Schluss.

Gisela Munz-Schmidt
Das Wasser

Die alte Hydra mit den vielen Köpfen
und mit keinem
taucht wieder auf.

Du schlägst. Das Wasser weicht.
Du krallst. Und hast doch leere Hände.
Du dämmst es ein. Es dringt durch alle Wände.

Du kannst‘s nicht zwingen, und du kannst es nicht zerbrechen.
Wenn du es säuerst, wird sich´s ätzend rächen
und hilft dir doch, wenn deine Kraft nicht reicht.

Gisela Munz-Schmidt

Das Wasser ist wie wir

Das Wasser ist wie wir.
In einer weichen Wolke Schoß
wird langsam reif es und bereit
und wartet eine angemessene Zeit,
dann löst‘s sich los.

Das Wasser ist wie wir.
Als kleiner Tropfen schlägt‘s ungewappnet auf.
Es trifft auf eine vorbestimmte Stelle
in einen Kreis und wird zur Welle
und unentrinnbar rinnend beginnt es seinen Lauf.

Das Wasser ist wie wir.
Es will gesellig sein,
bringt sich bewegt bewegend in das Leben ein,
treibt um und an, wirkt hin und her
im großen Strom und mündet und geht auf im Meer.

Das Wasser ist wie wir.
Den Kreislauf zu vollenden
sucht es von Wärme angezogen
den hohen Himmelsbogen.
Und Enden wird zu Wenden.

Das Wasser ist wie wir...

Gisela Munz-Schmidt



Marita Hornberger
Unterwasser V
Im Wasser

Ich liege treibend auf dem Wasser,
und es wachsen mir
Gedanken aus dem Kopf und Worte
so wie Haare.

Ich suche tastend zu ergründen,
ob das,
was wehend aus mir wächst,
ein Teil ist auch von mir,
oder ob ich,
so treibend,
ein Wesen schon geworden bin der andern Welt,
die ich nicht kenne,
ich mir selber fremd.

Ich fühle jede einzelne Wurzel aus mir wachsen
und geh mit jeder Faser auf in meinem Element
und bin mit meiner Haut und meinen Haaren
vom Wasser völlig ungetrennt wie Wasserpflanzen.
Ein abgegrenzter Teil.
Und doch ein Teil vom Ganzen.

Gisela Munz-Schmidt


Mein Element

Das wilde Wasser ist mein Element,
wenn’s hoch in tausend Tropfen schlägt,
weil es mich nimmt und es mich kennt,
weil es mich hält und weil‘s mich trägt.

Das milde Wasser ist mein Element,
wenn‘s weich mir um die Füße spielt,
wenn‘s zärtlich an die Brust mir zielt
und weil‘s, was brennt, mir kühlt.

Gisela Munz-Schmidt
Aus: Wege zum See



Foto: Dr. Werner Schmidt
Two Faces of Water

Water is mild
like bathing a child,
tender and soothing
and smoothing.

Strong and seductive,
hard and destructive
water is wild.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance


Foto: Dr. Werner Schmidt
Dieses Meer

Dieses Meer ist mir zu groß,
wirft mich um,
treibt mich aus
blauer Lippen,
jagt mir kalte Schauer 
über und über -

diese harten Steine
brennen in meine Füße
ihre spitzen alten unmissverständlichen Zeichen:

Ich bin,
spricht die Erde,
stärker als du,
kleiner Mensch,
und das sagt sie
ohne Hohn,
einfach so,
übermächtig.

Gisela Munz-Schmidt
Farewell 

Schwimm,  Liebes, schwimm,
ich halte dich nicht mehr.
Du gehst hinunter
und du suchst das Meer,
ich werde bleiben.

Schwimm,  Liebes, schwimm.
Die Wege trennen sich.
Zwei Schiffe, die sich grüßen.
Zwei Schiffe ohne Wiedersehen,
die zu verschiedenen Häfen gehn,
die unter anderen Farben stehn
und andere Segel hissen.
Zwei Menschen, die die Winde und die Zeit
aus ihren Armen rissen.
Die auseineinandertreiben.

Und wie du bist und wie du warst
werd ich mit wunden Fingern in die Haut
von anderen Lieben schreiben.

Ich werde dich vermissen.

Gisela Munz-Schmidt

Die eine Perle

Die eine Perle

leg ich dir in deine Hand.

Ein Stück vom Meer,

ein Stück vom Land,

ein Körnchen Sand

inmitten einer großen Welt Getriebe.

Ein weicher Glanz

von Schüben, Schichten, Schalen und Erinnerungen

ganz umhüllt.

Beredt und doch verschwiegen.

Ich sah sie liegen

und ich hob sie auf.

Das Zeichen und den Zauber

der Liebe.

Gisela Munz-schmidt

Rosen

Tuscany Superb
Rosa gallica

Ein paar Tage später…

Kreislauf

Blüte, Frucht,

Anfang und Ende,

Wachstum, Reifung,

Wandel, Wende,

das Vergehende,

das Entstehende –

ja, ich lerne und ich weiß:

wie die Rosen leben wir im Kreis.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg
Aquarell von Sibylle Buderath
Aus: Rosen am Weg

Zauber

Eine Zauberin ist sie,

die Rose,

wie die Harmonie,

wie die Poesie,

wie die rote Magie –

weil sie um den Kreis

weiß.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg
Aquarell von Sibylle Buderath
Heckenrose und Hagebutte
Aicha
Rosa spinosissima
Blüte und entstehende Hagebutten

Madame Hardy
Rosa damascena
mit Käferbesuch
im Garten von Thomas und Petra

Mitglied einer Kette

Ein Fädchen im Netz

Anteil am Ganzen

Menschen, Tiere, Pilze, Pflanzen.

Gisela Munz-Schmidt

Verbundenheit

Nein, ich bin nicht allein.

Bei mir ist dieses andere Sein,

in dem ich mit erblasse, mit erglühe.

Ich lebe, und ich lass mich ein.

Mir ist, als ob ich manchmal welke,

doch immer wieder auch, als ob ich neu erblühe.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg
Historische Rose im Garten von Thomas und Petra

Rosen am Weg

Das Zarte wahrnehmen,

es zärtlich berühren.

Die Fülle fühlen

und damit weitergehen.

Die Rosen, die am Wege stehen,

sind Pforten und offene Türen.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg

Rosenbogen
Kletterrose Laguna
im Garten von Thomas und Petra

Insel Mainau

Frühling auf der Mainau
Aquarell von Sibylle Buderath
Mainau

Bäume,  mächtig,
alt und stark,
Blumen, prächtig
im weiten Park,
Beete von Blüten,
von blauen und roten,
Exoten
wie Boten,
barocke Räume,
Tulpen, Dahlien, Rosenträume,
Brunnen, die sich am Wege ergießen,
bunte Pflanzen an Hängen, in Wiesen,
Gewächse, welche gedeihen und sprießen,
Farben, die ineinanderfließen:
Kommen. Bleiben. Genießen.

Gisela Munz- Schmidt
Aus: Wege zum See


Sommertag auf der Mainau
Aquarell von Sibylle Buderath
The Island of Mainau

An island that holds
very special treasures,
full of blooms and of butterflies,
full of wonders and pleasures.

The tulips in spring,
in summer the roses,
beautiful dahlias late in fall.

The charms of nature this island exposes.
Full of trees and fine flowers,
and I do love them all.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance

An die Insel Mainau habe ich viele persönliche Erinnerungen – an Besuche allein, mit Familie oder mit Freundinnen und Freunden.

In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder ein, wie sich Sibylle Buderath und ich auf unser Buch „Rosen am Weg“ vorbereiteten. Sibylle wollte ihre Rosenaquarelle „en plein air“ malen, wurde aber immer wieder von neugierigen Menschen gestört, die ihr über die Schulter blicken wollten. So zogen wir zu zweit los, sie verschwand hinter die Rosenbüsche mit ihrer Staffelei, fand Motive zum Malen, und ich stand vorne als Wächterin am Weg und ließ mich durch Beobachtungen und Einsaugen der rosealen Atmosphäre inspirieren, konnte so die Leute ablenken, und wenn Sibylle fertig war, gingen wir zusammen ins Café  und schauten und besprachen, welche Bilder und welche Texte zusammenpassen könnten.

Hier drei Beispiele aus unserem Lyrikbildband ROSEN AM WEG:

 

Aquarell von Sibylle Buderath
Gedicht von Gisela Munz- Schmidt

Aquarell von Sibylle Buderath
Gedicht von Gisela Munz-Schmidt
Aquarell von Sibylle Buderath
Gedicht von Gisela Munz- Schmidt

Auf der Insel Mainau wird nicht nur der Schönheit und Vielfalt der Pflanzen gehuldigt, sondern durch naturnahe Areale und informative Anlagen wird auch das ökologische Bewusstsein geschärft.

Besonders der Insektenschutz verdient Beachtung! Im Schmetterlingshaus und in Insektenhotels versammeln sich zahlreiche Vertreter der Insektenfamilien.

Für den NABU Überlingen habe ich 2018 eine Art Pamphlet verfasst,

nachdem ich auf den Hortus Insectorum und das Netzwerk von Markus Gastl aufmerksam gemacht wurde.

Weil die Mainau sich auch dem Insektenschutz verschrieben hat, stelle ich es hier ein, ohne Anspruch auf literarische Qualität!

Die Inhalte der Paarreime sind allerdings unbestritten.

DAS INSEKT
Das Insekt

Vor 400 Millionen Jahren, so wurde entdeckt,
lebte bereits das erste Insekt.

Und jetzt müssen wir leider, ohne Fragen,
seinen gewaltigen Rückgang beklagen.

Früher klebte es an Fensterscheiben,
da brauchen wir es längst nicht mehr abzureiben.

Möglicherweise haben
wir es unter Asphalt begraben?

Oder es hat einfach zu viel Glyphosat, Phosphat, Nitrat geschluckt
und das Zeug einfach nicht ausgespuckt?

Mit Blümchen und Bienchen ist es auch nicht weit her,
Monokulturen sind artenleer.

Auch die Gärten mit Schotter, Granit und Kies
sind für das Insekt kein Paradies.

Selbst der fliegende Luftverkehr
macht dem Insekt das Leben schwer.

Zwischen Hochhäusern findet sich auch nicht schnell
ein angemessenes Insektenhotel.

Nicht mal auf dem Balkon den Zwetschgenkuchen
will so ein Insekt noch einmal versuchen.

Kein Tier tanzt dir, summ summ, brumm brumm,
auf deiner Menschennase herum.

Die Leute müssen sich nun wohl bequemen,
Bestäubung mit Pinseln selbst vorzunehmen.

Und die Insektenfresser, fast hätt ich´ s vergessen,
müssen nun halt jetzt was anderes fressen.

Das Insekt, verachtet und verhasst,
hat sich eben nicht angepasst!

Ach Gott, was wird meine Liste lang,
allmählich wird mir um das Insekt doch bang.

Es dämmert mir langsam, und mir wird klar,
das Insekt ist in großer Lebensgefahr.

Und also zitiere ich Einstein hier:
Erst stirbt das Insekt. Dann sterben wir.

Gisela Munz-Schmidt

Katzen

Unsere unvergessene Tinka, die 21 Jahre lang zur Familie gehörte
Auf diesem Lesezeichen fehlt eine wichtige Zeile: 
„Ein Mensch, der sein Herz an Tiere hängt.“
......

Ich sah dich traurig und allein
an deiner Ecke stehen.
Nach beiden Seiten konntest du noch gehen.
Da bat ich dich.
Und lockte dich mit einem Schälchen Milch.
Da strichst du mir ums Bein
und sahst mich an mit großen Augen,
die in der Nacht viel besser sehen.
Du brauchst mich für den Tag.
Ich brauch dich für die Nacht.
Da liegst du dann, nachdem du weit und fremd gezogen,
in meiner Beine Beuge. Dein Bild in meinem Herz.

Gisela Munz- Schmidt

Aus: Gedichte gegen Gewalt
Marita Hornberger Metamorphosen II 2007, Acryl auf Maltuch
Unsere Katze

Elegant und biegsam.
Schön und schmiegsam.
Sanfte Augen, Seidenfell.
Zärtlich, schmeichelnd, schnell.
Und ich tappe in die Kindchenschemafalle.
Spitze Zähne, scharfe Kralle.
Ein kleines Raubtier wohnt in unserem Haus.
Aus
die Maus.

Gisela Munz-Schmidt 


Kein Leben ohne Katzentier

Baum hinauf und
Baum hinunter,
manchmal schläfrig,
meistens munter,
mal ist er lieb,
mal ist er wild
und häufig führt er was im Schild,
mal ein Raubtier,
mal lammfromm:
Kater Tom.

Gisela Munz-Schmidt




Foto: Marita Hornberger Kater Tommy

Die Sonne geht nicht unter

Die Sonne

Ein großer Feuerball
im kalten All,
das Leitgestirn, die Sonne.
Brand, Hitze, Feuersbrunst,
doch Leben auch und Wonne.
Nur durch den Sonnenstern
wächst jeder Samen, jeder Keim und jeder Kern.

Ich bin mitnichten
der erste Mensch, der sie verehrt
und bittet um die Gunst,
dass sie uns scheint 
und wiederkehrt.
Überall gibt es Geschichten und Sagen.
Die Göttin! Ein Gott in einer Barke oder einem Wagen, 
der in einem hohen Bogen,
von Pferden oder Drachen fortgezogen,
über unseren Himmel fährt.
Aufgestiegen, hinabgesunken,
in warmen Strahlen und glühenden, glänzenden Funken.

Und auch in mir
ist das Sonnengeflecht
und in dir...

Gisela Munz- Schmidt

Die Farbe Weiß

Nymphea alba in unserem kleinen Gartenteich

Wie das Wasser weich ist und wie wichtig.

Und wie schön die Rose darin liegt:

Weiß und rein und mondgesichtig.

GISELA Munz-Schmidt
Aus: Schöner Fächer Regenbogen
Gedichte über Farben
Russische Übersetzung Vahan Alaverdian
Umschlagausschnitt 2003
Meine Intention war, Sprachen wie Farben auffächern zu lassen. Gerne hätte ich andere Sprachen hinzugefügt, Französisch, Italienisch, Niederländisch oder andere…
Durch das Flugzeugunglück 2002 kannte ich Herrn Alaverdian, der meine Texte dann dankenswerterweise ins Russische übersetzte. So stehen die drei Sprachen gleichsam stellvertretend .
Vielleicht gibt es irgendwann einmal einen Kommentar oder eine Übersetzung in einer anderen Sprache?
Rose Schneeflocke in unserem Garten
Eine Rosenblüte

Sie rührt mich und macht mich betroffen:
So zart. So weiß. So offen.
Liebte ich nicht so wie sie?
Glich ich nicht auch einem Kind?
Erinnerung wiegt sich im Wind.
Wehmut vermischt sich mit Hoffen.

Gisela Munz- Schmidt
Weich und Weiß

Ich streichle weißen Sand
wie weiche Haut.

Es streichelt weicher Wind
die weiße Wolke.

Die Wellen streicheln sanft 
das Land.

Das Land hält still
wie eine weiche weiße Hand

und wie die Wolke.

Gisela Munz-Schmidt
Weiße Orchideen
Foto: Dr. Werner Schmidt

Weiße Orchidee

Rispen
sich entfaltender Blüten,
so wie jeder Tag
entsteht aus der Nacht...

Gisela Munz-Schmidt 


Weiher und Schwan

Am Morgen liegt der Weiher

im Walde wach

und hängt dem Weinen und dem Greinen

der sieben Winde nach.

Es putzen sich die Enten,

Fasane stehn am Teich,

vom Walde schreit ein Käuzchen,

dem Weiher scheint es gleich.

Er wartet auf den Schwan.

Der Schwan ist sein Geselle.

Sein aufgeblähter Flügelrand

ist fein und weich und weiß

wie auch des Weihers Welle.

GISELA Munz-Schmidt

Weiß. Kristall. Eis.

Teil meiner Sammlung auf der Fensterbank

Warum habe ich denn eigentlich keine Kristallkugel ?

Gar nicht neugierig, was die Zukunft so bringen könnte?

Ob Plan A sich verwirklicht, Plan B gebraucht oder Planlosigkeit nötig wird?

Vielleicht habe ich einfach Vertrauen.

Ein Tag lehrt den anderen.

Dies diem docet.

Notfalls habe ich natürlich meine kleine Meditationskugel…

Oder einen Stern…

Die Farbe Orange

Sommer, Sonne, Glut.

Werdegang

Durchs Feuer gehen.

In Flammen untergehen.

Lodernd vergehen.

Der Asche entgehen.

Wie Phönix auferstehen.

Gisela Munz-Schmidt

Foto: Dr. Werner Schmidt

Gefahr und Wohltat und Nutzen

Ja nicht so nahe ans Feuer, es ist heiß, du könntest dich verbrennen.

Rück an den Ofen und wärme dich, das wird dir gut tun.

Mach den Herd an, ich will eine Suppe kochen.

Feuer ist wie Wasser ist wie Liebe

Gisela Munz-Schmidt

Rose Westzeit in unserem Garten
Rose Westzeit mit griechischen Aprikosen
Aus: Gisela Munz-Schmidt Schöner Fächer Regenbogen
Gedichte über Farben
Übersetzung ins Russische: Vahan Alaverdian

Möwen

Horst Müller
Möwen am Bodensee
Mischtechnik
Möwen

Sie besetzen jeden Pfahl, 
ohne ihn je zu besitzen.

Anderes Recht gilt über dem See.

Fangen, flirren,
füttern,  fliegen,
flattern,  flitzen.

Gisela Munz-Schmidt

Klänge

Horst Müller
Vehement
Öl
Klänge

Vor dem Wort war der Klang,
war der Urlaut, Wohllaut, war Gesang,
war das Schwirren, Surren, Sirren und das Klirren,
war das Summen, Knarren, Knarzen und das Brummen,
war das Schnarren, Rauschen, Raunen und das Murmeln,
war das Dröhnen und das Stöhnen und das Brausen,
war das Weinen und das Heulen und das Greinen,
war das Juchzen und das Schluchzen,
war das Fiepsen und das Piepsen,
war das Knistern und das Zischen,
war der Rhythmus und die Stimme und der Takt,
war der Schlag, der treibt und packt,
war das Klagen einer Flöte, war das Rufen eines Hornes,
war das Cymbal, war der Schall.

War das Wispern, Lispeln, Flüstern,
war das Stampfen, Pfeifen und das Klopfen,
war das Pochen und das Wirbeln,
war das Zupfen und das Streichen,
war das Quietschen und das Wimmern und das Rasseln,
war das Grölen und das Nölen,
war das Säuseln und das Prasseln,
war das Schnurren und das Knurren,
war das Trillern und das Tirilieren,
war der Knall, der Schall, der Prall,
war das Rütteln und das Stoßen,
war das Schütteln und das Hämmern,
war das Gurren, Gellen, Jammern und das Jaulen,
war der erste Schrei:

Und nichts ist vorbei.
Wir erinnern's noch,
in unseren Knochen und in unseren Poren,
wissen alles,
nichts ging unterwegs verloren,
und wir spüren's in den Adern und in den Membranen,
da tönt uns noch die Trommel unserer Ahnen,
und wir fühlen es tief unter unserer Haut -
Klänge sind uns urvertraut.

Gisela Munz-Schmidt






Presse ( Auswahl)

Ausführlicher Bericht von Erich Schütz im Magazin Der Linzgauer ( Bodensee- Linzgau Tourismus)

Der Linzgauer 2. Ausgabe Erich Schütz
Der Linzgauer 2. Ausgabe Erich Schütz
Der Linzgauer 2. Ausgabe Erich Schütz
Der Linzgauer 2. Ausgabe Erich Schütz

Ehrenamtliches Engagement für die Rathausgalerie Owingen

Aus: Jahresbericht 2016 Gemeinde Owingen
Aus : Jahresbericht Gemeinde Owingen

Buchvorstellung “Gedichte gegen Gewalt“ mit Bildern von Horst Müller:

Südkurier 22.12.2016

Eine Lesung über Sagengedichte:

Südkurier 25.10.2011

Lyrikweg Owingen:

Südkurier vom 4. 11.2005

Eine Lesung zum Thema Wege zum Wasser:

Südkurier 8.7.2004

Texte anlässlich des Flugzeugunglücks vom 1.Juli 2002 über Owingen und Überlingen

Südkurier 27.Juli 2002

Eine Buchvorstellung: My Way along Lake Constance

Südkurier vom 18.12.2001
Schwäbische Zeitung 31. 10. 2002

Eine Übersicht über alle Lyrikbildbände mit Sibylle Buderath im Verlag Stadler:

Ein Porträt in der Heilbronner Stimme:

Heilbronner Stimme

A Bouquet of Flowers

Rambler Rose Goldfinch in our garden
Watercolour by Sibylle Buderath
Wild Roses

Wild roses in an open field
like love longed for and found.
Mere heaven as a shield,
sheer feeling as a guide,
no need to hurry or to hide.
All senses keen, alert and wide.
To earth intrinsically bound.

Gisela Munz-Schmidt
Watercolour by Sibylle Buderath
A Bloom

A bloom‘s a work of art.
The artist I don't know.
But he or she makes grow
fine form and overflow
on sense and soul
and mind and heart.

Gisela Munz-Schmidt
Watercolour by Sibylle Buderath
The Poppy‘s Dance

The glance
and the dance
of a poppy
one day and one night.
Love in delight.
Mourning in trance.

Gisela Munz- Schmidt
Watercolour by Sibylle Buderath
A Plant

Leaf and root,
flower and fruit,
colour and shape,
nut and grape,
stem and bloom,
growth and boom,
gift and grant
you find in a plant.

Gisela Munz- Schmidt
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