Gisela Munz-Schmidt

Lyrik vom Bodensee

QUEEN and KING

FAZ, 14. November 2008
dpa 2007 , Detail

Four

call her Mother.

To other

people

she has been

the Queen.

Years ago

I read in a magazine

that every British woman

– at least once in her lifetime-

dreams about the Queen visiting for an afternoon tea.

Getting nervous before she comes.

Being proud when she leaves.

Will this woman also invite the King?

If she loves Nature

she will.

Gisela Munz-Schmidt

IM SEPTEMBER

Nashibirne in unserem Garten,
die einzige in diesem Jahr 2022
Die Birne

So ein sanftes Gelb.
Im Frühling flog ein Falter,
ließ seine Farbe als Erinnerung.

So ein sanftes Gelb.
Im Sommer schien die Sonne,
ließ ihre Farbe als Erinnerung.

So ein saftig-sanftes Gelb.
Im Spätjahr ist die Frucht nun reif und zart.
Und Falter und Sonne sind wieder Gegenwart.

Gisela Munz-Schmidt
Aus dem Lyrikbildband Bäume am Weg, Verlag Stadler, Konstanz
Sonnenblume
Helianthus annuus
Herbstgedanken

Mit den Schwalben südwärts ziehen?
Mit den Blättern treiben?

Volle Körbe roter Äpfel stehn im Garten,
blaue Trauben warten,
goldene Sonne spendet lächelnd ihren Schein.

Mit den Schwalben südwärts ziehen?
Mit den Blättern treiben?

Pflücken. Ernten. Zufrieden sein.
Süße genießen und bleiben.

Gisela Munz-Schmidt




Villeroy & Boch Luxembourg
Ein Herbsttag

Am kühlen Morgen
über feuchten Wiesen
weiße Nebelstreifen.

Doch mittags leuchten
Dahlien, Astern, Sonnenblumen,
und an den Bäumen siehst du,
wie die Früchte reifen.

Gisela Munz- Schmidt
Sibylle Buderath Aquarell in dem Lyrikbildband Bäume am Weg
Verlag Stadler, Konstanz
Sibylle Buderath Aquarell in dem Lyrikbildband Bäume am Weg
Verlag Stadler, Konstanz
Der Apfelbaum

Wie aus dem zarten rosenfarbenen Hauch
die feste rote Frucht wird,
die man greifen kann,

wie aus dem einen kleinen Kern
der große runde Baum wird,
den man messen kann,

wie aus dem schwachen grünen Zweig
der starke dunkle Ast wird,
den man fassen kann,

das sehe ich als 
unbegreiflich,
unermesslich,
als unfassbar 
an.

Gisela Munz-Schmidt
Aus dem Lyrikbildband Bäume am Weg, Verlag Stadler, Konstanz

🥨 Olgabrezeln oder Russische Brezeln

In vielen Bäckereien liegen sie verlockend aus, die zweifarbigen süßen beliebten Traditionsgebäcke in Brezelform.

Natürlich kann man sie auch selber backen:

Das Rezept:

Ein Blätterteig wird mit Wasser bestrichen und ein dunkler Mürbeteig ( 250 g Mehl, 125 g Butter, 100 g Zucker, Vanillezucker, 40 g Kakaopulver, 1 Ei, 1 TL Backpulver, 1 Prise Salz) darauf gelegt. Längs 2 Zentimeter breite Streifen abschneiden und zu Brezeln drehen. Mit Eimilch bestreichen und Mandeln darüber streuen.

Im heißen Ofen ungefähr 10 Minuten backen.

Olgabrezelreime

Es nehmen Vater oder Mutter
ein Viertel Pfündlein weiche Butter
und Mehl, ein halbes Pfund, gesiebt,
dann Kakaopulver, wenn‘s beliebt,
davon zwei Löffel oder drei,
die Prise Salz ist auch dabei
(natürlich auch ein ganzes Ei),
doch zu vollendetem Genuss
fehlt noch die Schapfe Zuckerschuss!
Alles verknetet wird, tadellos,
die Masse fein zu einem Kloß.
Und dann: Die Hände in den Schoß!
Es gibt ´ne Stunde nichts zu tun!
Der Teig muss eingewickelt ruhn.
Obwohl ja manche heiß es lieben,
will unser Teig im Kühlen liegen.
Nachdem vorbei das Ruhen und Verstecken,
darf unser Teig, nun flach gewalzt, den Blätterteig bedecken.
Er wird dann mit diesem, gedreht in Streifen,
auf ein Backblech gelegt in Brezelformschleifen.
Mit Eimilch bestrichen, mit Mandeln bestreut,
die Olgabrezeln die Schwaben erfreut!
Doch nicht nur die Schwaben und Schwäbinnen allein,
auch Gäste und Nachbarn finden sie fein!
Olga gewidmet, der Frau auf dem Thron,
hat die Russische Brezel bei uns Tradition!

Gisela Munz-Schmidt



Das Rezept wurde in Stuttgart für Königin Olga von Württemberg kreiert. Olga wurde 1822 in Sankt Petersburg als Tochter des Zaren Nikolaus I. geboren, gestorben ist sie 1892 in Friedrichshafen.

1864 bestieg sie mit Karl I. den württembergischen Thron, blieb kinderlos und ist als Wohltäterin und Stifterin bekannt.

OlgahospiTal,
Königin-Olga-Stift, Nikolauspflege

🥨 Ein Bäcker aus Bad Urach erfand die Brezel

Hierzulande begleiten die Brezeln ein Leben.
Sie werden schon kleinen Kindern gegeben,
spätestens dann, wenn sie greinen und zahnen.
Man gibt sie später noch zahnlosen Ahnen.
Dazwischen zu jeder Gelegenheit,
zur Morgen- und zur Abendzeit.
Die Brezel ist von früh bis spät
eine köstliche Spezialität!
Gebuttert oder ungebuttert,
ein jeder gerne die Brezel futtert,
zu Milch, zu Most und zum Kaffee,
zu Wein, zu Sekt, zu Saft und Tee,
und manche sind so auf die Brezeln versessen,
dass sie sogar Weißwürste mit Brezeln essen!
Rösch, braun und salzig über der Lauge,
zu jedem Imbiss die Brezel tauge,
bei der sich das Weiche mit dem Harten
auf wirklich gelungene Weise paarten.

Kulturelles Urgestein?
Nein und nein und nochmals nein!
Die Brezel, die wir uns lassen munden,
wurde in hoher Not erfunden.

In Bad Urach lebte ein Bäckersmann,
der eine Untat hatte getan.
Man hatte ihn bekommen zu fassen,
und er sollte nun sein Leben lassen.
Doch weil´s einen Unbescholtenen traf,
hatte Mitleid der Richter, ein alter Graf,
und sprach zu ihm: “Du kannst noch hoffen,
ich lasse dir einen Ausweg offen,
entweder bist du morgen tot,
oder du bäckst mir noch heute ein Brot,
durch das die Sonne dreimal scheint,
dann bist du frei mit den Deinen vereint.“

Der Bäcker, der seinen Frevel bereute,
ging schnell ans Werk, keine Mühe er scheute,
aber es wollte ihm nicht gelingen,
ein solches Kunstwerk fertig zu bringen.
Da nahm er vom Brotteig ein kleineres Stück,
rollte den Teig hin und wieder zurück
mit bebendem Herzen und angst und bange
dachte er an den Teufel, die Schlange,
die ihn vom Galgenseil würde trennen
und ließe ihn in der Hölle brennen.
Da erschrak er bis in sein Inneres hinein,
schlug die Enden im Zeichen des Kreuzes ein,
während er an die Erlösung dachte.
Ein kleines Wunder war, was er da machte!
Er buk´s, und als er´s hob, siehe da!
Die Sonne er dreifach scheinen sah.

Da war auch für den Grafen klar,
dass der Bäcker dadurch gerettet war.

So wurde in todesschweren Stunden
in Bad Urach die erste Brezel erfunden.

Gisela Munz-Schmidt

Nach Ines Heim, Sagen von der Schwäbischen Alb,
Karlsruhe, 1992

Anmerkung:

Bad Urach die Ehre, so ist´ s guter Brauch,

doch anderswo schmecken Brezeln auch!

Der Bäcker Mayer, Seestraße 8,

hat schon immer die besten Brezeln gemacht!

SOMMER am SEE

Summer

Summer sets sail,
sun and sunshine prevail.
Harbour good-bye,
gold ‘s in the sky.
Breezes blow well,
spinnakers swell -
every wind‘s friend am I.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance
Sibylle Buderath Abendstimmung mit Booten vor der Insel Reichenau
Aquarell 2020
Föhnstimmung

In der Silberschmiede
des Windes
schmilzt der See
und glänzt sich aus.
Da glänze ich wortlos 
mich ein.

Gisela Munz-Schmidt 
Aus: Wege zum See
Foehn Mood

This is what happens many a day.
At a sudden it's warm
in a very strange way.
The air is clear.
The mountains seem near.
The lake shines like a melting pot.
Glittering shivering  burning hot.

A prince and a princess.
An access. An excess.
From long ago and recently told.
Love is madness.
A fancy. A frenzy.
Water is silver and gold.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance

Wege zum Wasser

Marita Hornberger
Am Wasser II 2007
Acryl auf Maltuch
Wasser

Mach mich doch nass -
es sprinkelt und glitzert und spritzt,
es perlt und trieft und tröpfelt,
es wellt und quillt und patscht,
es gluckst und glänzt und blubbert,
es schlabbert und schlubbert,
es quirlt und strudelt,
es sprudelt -
Wasser macht Spaß!

Gisela Munz-Schmidt
Aus: Wege zum See
Foto: Georg Schmidt
Water

It sprinkles
and splishes
and sploshes
and splashes.
It rushes
and dashes.
It hurts 
and it cools.
It is fear 
and it‘ s fun.
It fools
with the wind
and it smiles
with the sun.

Gisela Munz- Schmidt
From: My Way along Lake Constance
Foto: Georg Schmidt
Ein Kinderleben

Ein Kinderleben, ein Kinderland,
braucht Sonne und Hände, Wasser und Sand.

Hinter dem Deich und hinter dem Damm
hört die Welt auf, fängt die Welt an.

Hinter der Düne und hinter dem Deich
ist alles anders, sind alle gleich.

Bei Ebbe und Flut 
ebbt alles ab, wird alles durchflutet,
und alles ist gut.

Gisela Munz-Schmidt
The Water in the Lake

Water of constant flow.
Water from ice and from snow,
from running falls of the mountains,
water of rivers and fountains,
water from streams and from brooks and from wells,
of rain, that fell drop by drop,
water that seeps and that swells.
Vapour and condensation.
Abundance and concentration.
Eternal circle
without any stop.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance
Mein Fluss. Der Neckar

Wie jeder seine Bahn,
wie jeder seinen Weg,
so hat auch jeder
seinen Fluss.

Mein Fluss ist schmal und breit,
fließt zügig und hat Wehre.
Mein Fluss hat Arme alt und neu,
fließt dicht und dunkel aus der Kinderzeit
und hell und klärend durch die Zeit der Lehre.
Er mündet schwer beladen.

Wenn ich ihn heute suche,
sehe ich,
wie sich die Bahnen
und die Wege ändern.
Und finde doch den alten Schimmer
und die alten Stege
an seinen goldenen grünen Rändern.

Gisela Munz-Schmidt

Am Neckar in Heilbronn
2022
Das Wasser

Es ist Stauung und Fluss.
Entzücken. Verdrießen.
Ist Stocken und Gießen.
Ist Starren und Schießen.
Ist Woge und Wiege und Welle.
Ist Quelle, Sog, Wirbel und Schnelle.
Ist Schnee auf dem Dach 
und ist Eis unterm Fuß.
Ist Qual und ist Not und ist Strafe und Muss.
Ist Kuss auf den Lippen,
Glanz, Gunst und Genuss.
Es ist Anfang und Mitte und Schluss.

Gisela Munz-Schmidt
Das Wasser

Die alte Hydra mit den vielen Köpfen
und mit keinem
taucht wieder auf.

Du schlägst. Das Wasser weicht.
Du krallst. Und hast doch leere Hände.
Du dämmst es ein. Es dringt durch alle Wände.

Du kannst‘s nicht zwingen, und du kannst es nicht zerbrechen.
Wenn du es säuerst, wird sich´s ätzend rächen
und hilft dir doch, wenn deine Kraft nicht reicht.

Gisela Munz-Schmidt

Das Wasser ist wie wir

Das Wasser ist wie wir.
In einer weichen Wolke Schoß
wird langsam reif es und bereit
und wartet eine angemessene Zeit,
dann löst‘s sich los.

Das Wasser ist wie wir.
Als kleiner Tropfen schlägt‘s ungewappnet auf.
Es trifft auf eine vorbestimmte Stelle
in einen Kreis und wird zur Welle
und unentrinnbar rinnend beginnt es seinen Lauf.

Das Wasser ist wie wir.
Es will gesellig sein,
bringt sich bewegt bewegend in das Leben ein,
treibt um und an, wirkt hin und her
im großen Strom und mündet und geht auf im Meer.

Das Wasser ist wie wir.
Den Kreislauf zu vollenden
sucht es von Wärme angezogen
den hohen Himmelsbogen.
Und Enden wird zu Wenden.

Das Wasser ist wie wir...

Gisela Munz-Schmidt



Marita Hornberger
Unterwasser V
Im Wasser

Ich liege treibend auf dem Wasser,
und es wachsen mir
Gedanken aus dem Kopf und Worte
so wie Haare.

Ich suche tastend zu ergründen,
ob das,
was wehend aus mir wächst,
ein Teil ist auch von mir,
oder ob ich,
so treibend,
ein Wesen schon geworden bin der andern Welt,
die ich nicht kenne,
ich mir selber fremd.

Ich fühle jede einzelne Wurzel aus mir wachsen
und geh mit jeder Faser auf in meinem Element
und bin mit meiner Haut und meinen Haaren
vom Wasser völlig ungetrennt wie Wasserpflanzen.
Ein abgegrenzter Teil.
Und doch ein Teil vom Ganzen.

Gisela Munz-Schmidt


Mein Element

Das wilde Wasser ist mein Element,
wenn’s hoch in tausend Tropfen schlägt,
weil es mich nimmt und es mich kennt,
weil es mich hält und weil‘s mich trägt.

Das milde Wasser ist mein Element,
wenn‘s weich mir um die Füße spielt,
wenn‘s zärtlich an die Brust mir zielt
und weil‘s, was brennt, mir kühlt.

Gisela Munz-Schmidt
Aus: Wege zum See



Foto: Dr. Werner Schmidt
Two Faces of Water

Water is mild
like bathing a child,
tender and soothing
and smoothing.

Strong and seductive,
hard and destructive
water is wild.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance


Foto: Dr. Werner Schmidt
Dieses Meer

Dieses Meer ist mir zu groß,
wirft mich um,
treibt mich aus
blauer Lippen,
jagt mir kalte Schauer 
über und über -

diese harten Steine
brennen in meine Füße
ihre spitzen alten unmissverständlichen Zeichen:

Ich bin,
spricht die Erde,
stärker als du,
kleiner Mensch,
und das sagt sie
ohne Hohn,
einfach so,
übermächtig.

Gisela Munz-Schmidt
Farewell 

Schwimm,  Liebes, schwimm,
ich halte dich nicht mehr.
Du gehst hinunter
und du suchst das Meer,
ich werde bleiben.

Schwimm,  Liebes, schwimm.
Die Wege trennen sich.
Zwei Schiffe, die sich grüßen.
Zwei Schiffe ohne Wiedersehen,
die zu verschiedenen Häfen gehn,
die unter anderen Farben stehn
und andere Segel hissen.
Zwei Menschen, die die Winde und die Zeit
aus ihren Armen rissen.
Die auseineinandertreiben.

Und wie du bist und wie du warst
werd ich mit wunden Fingern in die Haut
von anderen Lieben schreiben.

Ich werde dich vermissen.

Gisela Munz-Schmidt

Die eine Perle

Die eine Perle

leg ich dir in deine Hand.

Ein Stück vom Meer,

ein Stück vom Land,

ein Körnchen Sand

inmitten einer großen Welt Getriebe.

Ein weicher Glanz

von Schüben, Schichten, Schalen und Erinnerungen

ganz umhüllt.

Beredt und doch verschwiegen.

Ich sah sie liegen

und ich hob sie auf.

Das Zeichen und den Zauber

der Liebe.

Gisela Munz-schmidt

Rosen

Tuscany Superb
Rosa gallica

Ein paar Tage später…

Kreislauf

Blüte, Frucht,

Anfang und Ende,

Wachstum, Reifung,

Wandel, Wende,

das Vergehende,

das Entstehende –

ja, ich lerne und ich weiß:

wie die Rosen leben wir im Kreis.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg
Aquarell von Sibylle Buderath
Aus: Rosen am Weg

Zauber

Eine Zauberin ist sie,

die Rose,

wie die Harmonie,

wie die Poesie,

wie die rote Magie –

weil sie um den Kreis

weiß.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg
Aquarell von Sibylle Buderath
Heckenrose und Hagebutte
Aicha
Rosa spinosissima
Blüte und entstehende Hagebutten

Madame Hardy
Rosa damascena
mit Käferbesuch
im Garten von Thomas und Petra

Mitglied einer Kette

Ein Fädchen im Netz

Anteil am Ganzen

Menschen, Tiere, Pilze, Pflanzen.

Gisela Munz-Schmidt

Verbundenheit

Nein, ich bin nicht allein.

Bei mir ist dieses andere Sein,

in dem ich mit erblasse, mit erglühe.

Ich lebe, und ich lass mich ein.

Mir ist, als ob ich manchmal welke,

doch immer wieder auch, als ob ich neu erblühe.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg
Historische Rose im Garten von Thomas und Petra

Rosen am Weg

Das Zarte wahrnehmen,

es zärtlich berühren.

Die Fülle fühlen

und damit weitergehen.

Die Rosen, die am Wege stehen,

sind Pforten und offene Türen.

Gisela Munz-Schmidt

Aus: Rosen am Weg

Rosenbogen
Kletterrose Laguna
im Garten von Thomas und Petra

Insel Mainau

Frühling auf der Mainau
Aquarell von Sibylle Buderath
Mainau

Bäume,  mächtig,
alt und stark,
Blumen, prächtig
im weiten Park,
Beete von Blüten,
von blauen und roten,
Exoten
wie Boten,
barocke Räume,
Tulpen, Dahlien, Rosenträume,
Brunnen, die sich am Wege ergießen,
bunte Pflanzen an Hängen, in Wiesen,
Gewächse, welche gedeihen und sprießen,
Farben, die ineinanderfließen:
Kommen. Bleiben. Genießen.

Gisela Munz- Schmidt
Aus: Wege zum See


Sommertag auf der Mainau
Aquarell von Sibylle Buderath
The Island of Mainau

An island that holds
very special treasures,
full of blooms and of butterflies,
full of wonders and pleasures.

The tulips in spring,
in summer the roses,
beautiful dahlias late in fall.

The charms of nature this island exposes.
Full of trees and fine flowers,
and I do love them all.

Gisela Munz-Schmidt
From: My Way along Lake Constance

An die Insel Mainau habe ich viele persönliche Erinnerungen – an Besuche allein, mit Familie oder mit Freundinnen und Freunden.

In diesem Zusammenhang fällt mir immer wieder ein, wie sich Sibylle Buderath und ich auf unser Buch „Rosen am Weg“ vorbereiteten. Sibylle wollte ihre Rosenaquarelle „en plein air“ malen, wurde aber immer wieder von neugierigen Menschen gestört, die ihr über die Schulter blicken wollten. So zogen wir zu zweit los, sie verschwand hinter die Rosenbüsche mit ihrer Staffelei, fand Motive zum Malen, und ich stand vorne als Wächterin am Weg und ließ mich durch Beobachtungen und Einsaugen der rosealen Atmosphäre inspirieren, konnte so die Leute ablenken, und wenn Sibylle fertig war, gingen wir zusammen ins Café  und schauten und besprachen, welche Bilder und welche Texte zusammenpassen könnten.

Hier drei Beispiele aus unserem Lyrikbildband ROSEN AM WEG:

 

Aquarell von Sibylle Buderath
Gedicht von Gisela Munz- Schmidt

Aquarell von Sibylle Buderath
Gedicht von Gisela Munz-Schmidt
Aquarell von Sibylle Buderath
Gedicht von Gisela Munz- Schmidt

Auf der Insel Mainau wird nicht nur der Schönheit und Vielfalt der Pflanzen gehuldigt, sondern durch naturnahe Areale und informative Anlagen wird auch das ökologische Bewusstsein geschärft.

Besonders der Insektenschutz verdient Beachtung! Im Schmetterlingshaus und in Insektenhotels versammeln sich zahlreiche Vertreter der Insektenfamilien.

Für den NABU Überlingen habe ich 2018 eine Art Pamphlet verfasst,

nachdem ich auf den Hortus Insectorum und das Netzwerk von Markus Gastl aufmerksam gemacht wurde.

Weil die Mainau sich auch dem Insektenschutz verschrieben hat, stelle ich es hier ein, ohne Anspruch auf literarische Qualität!

Die Inhalte der Paarreime sind allerdings unbestritten.

DAS INSEKT
Das Insekt

Vor 400 Millionen Jahren, so wurde entdeckt,
lebte bereits das erste Insekt.

Und jetzt müssen wir leider, ohne Fragen,
seinen gewaltigen Rückgang beklagen.

Früher klebte es an Fensterscheiben,
da brauchen wir es längst nicht mehr abzureiben.

Möglicherweise haben
wir es unter Asphalt begraben?

Oder es hat einfach zu viel Glyphosat, Phosphat, Nitrat geschluckt
und das Zeug einfach nicht ausgespuckt?

Mit Blümchen und Bienchen ist es auch nicht weit her,
Monokulturen sind artenleer.

Auch die Gärten mit Schotter, Granit und Kies
sind für das Insekt kein Paradies.

Selbst der fliegende Luftverkehr
macht dem Insekt das Leben schwer.

Zwischen Hochhäusern findet sich auch nicht schnell
ein angemessenes Insektenhotel.

Nicht mal auf dem Balkon den Zwetschgenkuchen
will so ein Insekt noch einmal versuchen.

Kein Tier tanzt dir, summ summ, brumm brumm,
auf deiner Menschennase herum.

Die Leute müssen sich nun wohl bequemen,
Bestäubung mit Pinseln selbst vorzunehmen.

Und die Insektenfresser, fast hätt ich´ s vergessen,
müssen nun halt jetzt was anderes fressen.

Das Insekt, verachtet und verhasst,
hat sich eben nicht angepasst!

Ach Gott, was wird meine Liste lang,
allmählich wird mir um das Insekt doch bang.

Es dämmert mir langsam, und mir wird klar,
das Insekt ist in großer Lebensgefahr.

Und also zitiere ich Einstein hier:
Erst stirbt das Insekt. Dann sterben wir.

Gisela Munz-Schmidt

Delfine

Zeichnung: Marlene Thomsen

Delfine

Glänzend begleiten
die hellen Gesellen
das Schiff. Sie schnellen
heiter spielend über die Wellen,
lächelnd und arglos
im Wasser und Raum.

Wir lieben sie wie kleine Kinder.
Sie leben unseren Traum.

Gisela Munz-Schmidt
Aus: Kleine Gedichte -  Große Gefühle
Zeichnung: Marlene Thomsen, Detail

Katzen

Unsere unvergessene Tinka, die 21 Jahre lang zur Familie gehörte
Auf diesem Lesezeichen fehlt eine wichtige Zeile: 
„Ein Mensch, der sein Herz an Tiere hängt.“
......

Ich sah dich traurig und allein
an deiner Ecke stehen.
Nach beiden Seiten konntest du noch gehen.
Da bat ich dich.
Und lockte dich mit einem Schälchen Milch.
Da strichst du mir ums Bein
und sahst mich an mit großen Augen,
die in der Nacht viel besser sehen.
Du brauchst mich für den Tag.
Ich brauch dich für die Nacht.
Da liegst du dann, nachdem du weit und fremd gezogen,
in meiner Beine Beuge. Dein Bild in meinem Herz.

Gisela Munz- Schmidt

Aus: Gedichte gegen Gewalt
Marita Hornberger Metamorphosen II 2007, Acryl auf Maltuch
Unsere Katze

Elegant und biegsam.
Schön und schmiegsam.
Sanfte Augen, Seidenfell.
Zärtlich, schmeichelnd, schnell.
Und ich tappe in die Kindchenschemafalle.
Spitze Zähne, scharfe Kralle.
Ein kleines Raubtier wohnt in unserem Haus.
Aus
die Maus.

Gisela Munz-Schmidt 


Kein Leben ohne Katzentier

Baum hinauf und
Baum hinunter,
manchmal schläfrig,
meistens munter,
mal ist er lieb,
mal ist er wild
und häufig führt er was im Schild,
mal ein Raubtier,
mal lammfromm:
Kater Tom.

Gisela Munz-Schmidt




Foto: Marita Hornberger Kater Tommy

Die Sonne geht nicht unter

Die Sonne

Ein großer Feuerball
im kalten All,
das Leitgestirn, die Sonne.
Brand, Hitze, Feuersbrunst,
doch Leben auch und Wonne.
Nur durch den Sonnenstern
wächst jeder Samen, jeder Keim und jeder Kern.

Ich bin mitnichten
der erste Mensch, der sie verehrt
und bittet um die Gunst,
dass sie uns scheint 
und wiederkehrt.
Überall gibt es Geschichten und Sagen.
Die Göttin! Ein Gott in einer Barke oder einem Wagen, 
der in einem hohen Bogen,
von Pferden oder Drachen fortgezogen,
über unseren Himmel fährt.
Aufgestiegen, hinabgesunken,
in warmen Strahlen und glühenden, glänzenden Funken.

Und auch in mir
ist das Sonnengeflecht
und in dir...

Gisela Munz- Schmidt

Die Farbe Weiß

Nymphea alba in unserem kleinen Gartenteich

Wie das Wasser weich ist und wie wichtig.

Und wie schön die Rose darin liegt:

Weiß und rein und mondgesichtig.

GISELA Munz-Schmidt
Aus: Schöner Fächer Regenbogen
Gedichte über Farben
Russische Übersetzung Vahan Alaverdian
Umschlagausschnitt 2003
Meine Intention war, Sprachen wie Farben auffächern zu lassen. Gerne hätte ich andere Sprachen hinzugefügt, Französisch, Italienisch, Niederländisch oder andere…
Durch das Flugzeugunglück 2002 kannte ich Herrn Alaverdian, der meine Texte dann dankenswerterweise ins Russische übersetzte. So stehen die drei Sprachen gleichsam stellvertretend .
Vielleicht gibt es irgendwann einmal einen Kommentar oder eine Übersetzung in einer anderen Sprache?
Rose Schneeflocke in unserem Garten
Eine Rosenblüte

Sie rührt mich und macht mich betroffen:
So zart. So weiß. So offen.
Liebte ich nicht so wie sie?
Glich ich nicht auch einem Kind?
Erinnerung wiegt sich im Wind.
Wehmut vermischt sich mit Hoffen.

Gisela Munz- Schmidt
Weich und Weiß

Ich streichle weißen Sand
wie weiche Haut.

Es streichelt weicher Wind
die weiße Wolke.

Die Wellen streicheln sanft 
das Land.

Das Land hält still
wie eine weiche weiße Hand

und wie die Wolke.

Gisela Munz-Schmidt
Weiße Orchideen
Foto: Dr. Werner Schmidt

Weiße Orchidee

Rispen
sich entfaltender Blüten,
so wie jeder Tag
entsteht aus der Nacht...

Gisela Munz-Schmidt 


Weiher und Schwan

Am Morgen liegt der Weiher

im Walde wach

und hängt dem Weinen und dem Greinen

der sieben Winde nach.

Es putzen sich die Enten,

Fasane stehn am Teich,

vom Walde schreit ein Käuzchen,

dem Weiher scheint es gleich.

Er wartet auf den Schwan.

Der Schwan ist sein Geselle.

Sein aufgeblähter Flügelrand

ist fein und weich und weiß

wie auch des Weihers Welle.

GISELA Munz-Schmidt

Weiß. Kristall. Eis.

Teil meiner Sammlung auf der Fensterbank

Warum habe ich denn eigentlich keine Kristallkugel ?

Gar nicht neugierig, was die Zukunft so bringen könnte?

Ob Plan A sich verwirklicht, Plan B gebraucht oder Planlosigkeit nötig wird?

Vielleicht habe ich einfach Vertrauen.

Ein Tag lehrt den anderen.

Dies diem docet.

Notfalls habe ich natürlich meine kleine Meditationskugel…

Oder einen Stern…

Die Farbe Orange

Sommer, Sonne, Glut.

Werdegang

Durchs Feuer gehen.

In Flammen untergehen.

Lodernd vergehen.

Der Asche entgehen.

Wie Phönix auferstehen.

Gisela Munz-Schmidt

Foto: Dr. Werner Schmidt

Gefahr und Wohltat und Nutzen

Ja nicht so nahe ans Feuer, es ist heiß, du könntest dich verbrennen.

Rück an den Ofen und wärme dich, das wird dir gut tun.

Mach den Herd an, ich will eine Suppe kochen.

Feuer ist wie Wasser ist wie Liebe

Gisela Munz-Schmidt

Rose Westzeit in unserem Garten
Rose Westzeit mit griechischen Aprikosen
Aus: Gisela Munz-Schmidt Schöner Fächer Regenbogen
Gedichte über Farben
Übersetzung ins Russische: Vahan Alaverdian

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