
von links:
Karl Stehle, Adelheid Hug, Jana von Eisenhart-Rothe, Gisela Munz-Schmidt
Lyrik vom Bodensee

Adelheid Hug und Jana von Eisenhart-Rothe vom Hauptamt Owingen führen am 11. Juli eine Wanderung „Sagenweg Owingen“. Siehe Einladung im Blättle unten.

Nachdem 2025 der Sagenweg in Billafingen eingeweiht wurde ( siehe Beiträge auf meiner Webseite und auf der Website der Gemeinde Owingen), stehen nun zwei Stelen mit Sagengedichten auch in Owingen. Sie ermöglichen weitere Einblicke in soziale Umstände und einschneidende Ereignisse der Vergangenheit.
Fangen wir mit der ersten am Schlossbühl an:




Dem Überlinger Arzt und Museumsgründer Theodor Lachmann verdanken wir die Sagensammlung, die die Grundlage für meine Sagentexte bildet.


Vielleicht ist es verwunderlich, dass ich nur das Motiv des Jägersmannes auswählte. Natürlich ist die Geschichte der schwarzen Katze auch interessant ( siehe zahlreiche Beiträge im Internet zum Thema „ Schwarze Katzen in deutschen Sagen“) und hätte sich gut gestalten lassen.
Warum also der Jägersmann?
Wir machen uns kaum ein Bild über die Armut der Menschen in vergangener Zeit, über die ungesicherten bescheidenen Verhältnisse. Zahlreiche Kinder in den Familien verstärkten die Not. Spielsachen für Kinder kann man heute in Schlössern bestaunen, aber die arme Bevölkerung musste mit Gegenständen des täglichen Lebens vorliebnehmen. Waren Freude und das Gefühl geliebt zu werden deshalb geringer, wenn der Vater etwas besonderes mit heimbrachte? Das glaube ich nicht, und ich sehe in der Verwandlung der Tannenzapfen zu Gold eher das Symbol für Glück als für Reichtum. Liebe wird belohnt. Ist das nicht eine Botschaft, die es wert ist vorgestellt zu werden?
Auf jeder Stele befindet sich ein QR Code, und Dr. Angelika Thiel aus Taisersdorf hat die Hintergründe für die Gemeinde Owingen recherchiert und zusammengestellt.
Deshalb habe ich ihr ein Lobgedicht geschrieben:
Hommage auf Dr.Angelika Thiel
Angelika Thiel wohnt in Taisersdorf droben,
ist mit Geschichte und Sagen verwoben,
fest verwurzelt auf heimischem Boden
gab sie oft schon ihres Könnens Proben
und schlägt vom Einst zum Jetzt den Bogen
mit jedem Wort fein abgewogen -
man sollte sie in den Himmel loben,
denn sie hat einen Schatz gehoben!
Gisela Munz Schmidt
Ohne Bürgerideen, ohne Bürgermeister Henrik Wengert, ohne im Hauptamt Adelheid Hug und Jana von Eisenhart- Rothe, ohne Karl Stehle, und last not least ohne die Befürwortung durch den Gemeinderat würden diese Sagen in Büchern weiterschlummern, statt uns an alte Zeiten und gesellschaftliche Umstände erinnern zu können.
Und nun zur Stele am Totengässele,
die auch von einer Verwandlung handelt, allerdings mit tragischem Hintergrund.


Die Sage handelt von der Pest, dem Schwarzen Tod, einer Seuche, die im 14. und im 17. Jahrhundert , vor allem während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) auch in Überlingen und Umgebung unzählige Menschen hinwegraffte. Ich verweise hier auf die umfangreiche, ausführliche und anschauliche Hintergrundsbeschreibung von Angelika Thiel ( siehe QRCode und Website der Gemeinde Owingen).

Vielleicht gab es so viele kranke Menschen, dass man nicht mehr wusste, wer noch lebendig war oder wer schon tot? Oder der Fuhrmann wurde wegen seiner Nachlässigkeit mit dem Tode bestraft?
Für mich bleibt der Kern der Sage unheimlich und unerklärlich, aber er weist auf die Schmerzen, das Leid und die Nöte hin, die auf Totenwegen in Sammelgräbern endeten.
Ein Herz aus Gold

Eigentlich ist das schon ein Gedicht!
Es entzückt mich dieser sonnenverwirbelte Staubgefäßüberfluss
und die kleine Biene, die sich daranmacht wie an eine schön gedeckte Speisetafel, auf der schon alles serviert ist, auch ihr Lieblingsgericht, ein Hochgenuss!
Und die ganze Szene gebettet auf traumhaftes flammendes samtenes Rot.
So schön wie der Sommer! So süß wie ein Kuss!
Gisela Munz-Schmidt

Die großen glänzend grünen Rosenkäfer können sich nicht irren:
Sie flirren und fliegen
und landen und liegen
beglückt und betrunken im üppigen Schoße
meiner chinesischen Strauchpfingstrose.
Gisela Munz-Schmidt

Kuckuck, Kuckuck!l
Kuckuck, Kuckuck,
ruft‘s aus der Uhr.
Wo ist denn nur
die Zeit geblieben?
Wie oft und gern hätt’ ich geschrieben:
„Die Zeit steht still.“
Aber, zum Kuckuck,
sie macht, was sie will.
Und kommt zur Stunde der Kuckuck heraus,
ist die Stunde halt rum. Fertig. Aus.
Drum ehre und achte des Vogels Kunde
und genieße und nütze jede Stunde.
Gisela Munz-Schmidt




Windräder seien die Kathedralen der Gegenwart,
hat einer behauptet.
Ja, sie haben eine Kanzel.
Ja, sie ragen hoch in den Himmel.
Ja, sie geben Kraft.
Aber ihre Lebensdauer in funktioneller Schlichtheit dauert nur 25 Jahre.
Zweckbauten ohne Seele.
Höhe ohne Erhabenheit.
Notwendigkeit ohne Vergeistigung.
Nutzen ohne Kunst.
Zeichen sind sie
einer anderen Zeit.
Gisela Munz-Schmidt


Magnolienblüten
Auf Zweigen wie mit großer Geste
steigen wächsern weiße feste
Kelche, rosa überhaucht,
Blütenböden bräunlich eingetaucht,
Farbenfäden lila eingezogen,
überschmolzen von Erhabenheit
hoch im stolzen Tulpenbogen –
So als stünden sie fernab:
Fern der Wirklichkeit.
Fremd der Zeit.
Gisela Munz- Schmidt
aus: Bäume am Weg
Verlag Stadler, Konstanz

Magnolia
Grandeur and splendour,
generous tree,
purple or white,
a variety
of wealth and of pride,
of this special sort
that transforms a yard
into a court,
and graciously smiling
it takes you aside –
you are led into spring
by a royal guide.
Gisela Munz-Schmidt
from: A Bouquet of Flowers

Nach dem ersten Jahresjubel ( siehe unten) habe ich alle Länder aufgezählt, in denen Leserinnen und Leser Gedichte und Texte lasen und sich erfreuten oder nachdenklich wurden, je nachdem.
Herzlich danken möchte ich allen Künstlerinnen und Künstlern, die mir großzügig ihre Bilder oder Fotos zur Verfügung stellten.
Ich liebe nämlich, wie Sie sicher schon bemerkt haben, die alte Paarung Text-Bild, die schon seit dem 16. Jahrhundert, zum Beispiel in der Emblematik, in unserer Kultur verwurzelt ist.
Dieses Mal grüße ich besonders meine Leserinnen und Leser in Singapore, mit einem Lesezeichen und Tulpen aus Italien!



Einen herzlichen Gruß sende ich heute an alle meine Leserinnen und Leser auf der ganzen Welt, die seit einem Jahr meine Homepage besuchen und hoffentlich dabei Freude, Mitgefühl, Kunstgenuss und Erbauung verspüren und mit mir auf Gedankenreise gehen auf vergnüglichen oder nachdenklich stimmenden Wegen.
Ich bin sehr dankbar, dass ich auf diese Weise meine Gedanken und auch die Bilder befreundeter oder verwandter Künstlerinnen und Künstler mitteilen kann!
World Wide Web ist keine Floskel: die Tausenden Besucherinnen und Besucher meiner Website kommen aus vielen Ländern der Welt:
Nach Häufigkeit zähle ich auf: Germany, United States, China, Netherlands, Austria, Switzerland, France, Russia, Afghanistan, Philippines, Egypt, Denmark, Malaysia, Chile, Belgium, Iran, Hungary, Luxembourg, Belarus.
Also gehen herzliche Grüße und gute Wünsche in alle Welt!
Frohe Ostern und: Bitte bleiben Sie mir gewogen!
Gisela Munz-Schmidt
Hast du‘ s gesehen? Es blühen die Zärtlichen, Zarten! Vorbei alles Warten. Sonne wächst aus dem Garten. Gisela Munz-Schmidt

Der Schwarze Degenfisch
Aalgleich, schwarz und glänzend
und wie eingeölt,
mit großem Maul und spitzen Zähnen,
so liegt er da.
Wenn er, schon tot, gefangen wird,
sind seine Augen aufgeplatzt und sein Magen,
denn er kommt aus tiefster Meerestiefe,
unbekannt, unerforscht ist sein Lebensraum.
Und dann landet ein Teil von ihm auf unseren Tellern,
denn wir sind der Schluss der Nahrungskette.
Der Fisch endet dann in unserem Bauch.
Er fraß Kraken,
die Kraken fraßen Krill.
So ist das Leben.
Auch.
Gisela Munz-Schmidt

Das, und viel mehr, hat uns unsere hervorragende Reiseleiterin Helena erzählt, und sie hat uns ein Sprichwort mitgegeben:
Gestern ist Geschichte.
Heute ist Geschenk.
Morgen ist Geheimnis.
Danke, liebe Helena!
Es gibt noch zwei Konzerte im Bürgerhaus KulturIO:

Vorgestern war ich beeindruckt vom Konzert des Eröffnungsabends, das auf mich wie ein Feuerwerk wirkte, und gestern war ich völlig hingerissen, als Lida und Martin Panteleev eigene Kompositionen vorstellten. Eine grandiose Gefühlswelt kam da zum Ausdruck, für deren Spektrum meine Sprache keine Worte hat: Es ist Musik!
Lida Panteleev stellte auch einige ihrer Gemälde aus , und zwei davon ließen mich nicht los, und ich habe heute nach dem Aufwachen Gedichte dazu entworfen:
Vom Verborgenen
Weiß wie Lawinen,
hell wie Wasserfälle,
und doch ist es eine Nebelwolke,
opak und quellend
vom Himmel ins Tal.
Und alles verhüllt sie,
was sein wird,
was jetzt ist
und jegliches „Es war einmal.“
Die schwarzen Wächtertannen
hüten das Geheimnis.
Starr stehen sie ums dichte Gewoge
und verraten nichts.
Aber wollen wir wirklich alles genau wissen?
Gisela Munz-Schmidt
Gedanken zu einem Gemälde von Lida Panteleev
Silver Fog
Vom Klaren
Voll scheint hier der Mond
und spiegelt sich,
damit wir unmissverständlich und doppelt
den Einklang wahrnehmen,
das göttlich vollendete ruhige Runde
in der Schönheit der Farben.
Und das Wunder,
wenn eines dem anderen entspricht
und wenn etwas erwidert wird.
Es ist Liebe,
wie Liebe ist.
Gisela Munz-Schmidt
Gedanken zu einem Gemälde von Lida Panteleev

Mehr zu Musik finden Sie unter Themen „Klänge“.

Wie bekannt ist, heißen Osterglocken Narzissen, nach Narziss, einem griechischen Adonis. Ein Beau.
Narziss
An eines Sees oder Flusses Gestaden
zog er sich aus. Er wollte baden.
Im Wasser sah er sein Spiegelbild
verheißungsvoll lächeln,
betörend mild,
hinreißend wild,
mit gleichem maßlosen Begehren.
„Du bist so schön, ich liebe dich.“
Er wollte sich nicht wehren.
Und da versank er
in sich.
Er ertrank.
Gisela Munz-Schmidt
Am Ufer erblühten dann die ersten Narzissen.

Sonnengoldene Narzissen,
wie sie es wissen,
wann die rechte Zeit ist,
denn alles im Leben hat seine Zeit,
sagt der Prediger Salomo,
und jede Narzisse weiß es auch.
Und ich
muss es
Tag für Tag
lernen.
Gisela Munz-Schmidt
Osterglocken
…wiegen sich im Wind
in der Wiese und im Park
wild und kultiviert…
Gisela Munz-Schmidt
Den Frühling finden
Die Sonne, die Wärme, die Osterglocken
wollen ins Freie und Weite dich locken.
In Gärten, zwischen Polstern und Blütenkissen,
wiegen sich die Prachtnarzissen.
Oder sieh doch! Diese
stehen heiter in der Wiese
mit leuchtendem Gelb und frischem Grün,
schau nur, wie sie üppig blühen!
Schnür deine Schuh und mach dich bereit:
Jetzt kommt die unbeschwerte Zeit!
Gisela Munz-Schmidt
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