Lyrik vom Bodensee

Kategorie: Tiere

Delfine

Zeichnung: Marlene Thomsen

Delfine

Glänzend begleiten
die hellen Gesellen
das Schiff. Sie schnellen
heiter spielend über die Wellen,
lächelnd und arglos
im Wasser und Raum.

Wir lieben sie wie kleine Kinder.
Sie leben unseren Traum.

Gisela Munz-Schmidt
Aus: Kleine Gedichte -  Große Gefühle
Zeichnung: Marlene Thomsen, Detail

Katzen

Unsere unvergessene Tinka, die 21 Jahre lang zur Familie gehörte
Auf diesem Lesezeichen fehlt eine wichtige Zeile: 
„Ein Mensch, der sein Herz an Tiere hängt.“
......

Ich sah dich traurig und allein
an deiner Ecke stehen.
Nach beiden Seiten konntest du noch gehen.
Da bat ich dich.
Und lockte dich mit einem Schälchen Milch.
Da strichst du mir ums Bein
und sahst mich an mit großen Augen,
die in der Nacht viel besser sehen.
Du brauchst mich für den Tag.
Ich brauch dich für die Nacht.
Da liegst du dann, nachdem du weit und fremd gezogen,
in meiner Beine Beuge. Dein Bild in meinem Herz.

Gisela Munz- Schmidt

Aus: Gedichte gegen Gewalt
Marita Hornberger Metamorphosen II 2007, Acryl auf Maltuch
Unsere Katze

Elegant und biegsam.
Schön und schmiegsam.
Sanfte Augen, Seidenfell.
Zärtlich, schmeichelnd, schnell.
Und ich tappe in die Kindchenschemafalle.
Spitze Zähne, scharfe Kralle.
Ein kleines Raubtier wohnt in unserem Haus.
Aus
die Maus.

Gisela Munz-Schmidt 


Kein Leben ohne Katzentier

Baum hinauf und
Baum hinunter,
manchmal schläfrig,
meistens munter,
mal ist er lieb,
mal ist er wild
und häufig führt er was im Schild,
mal ein Raubtier,
mal lammfromm:
Kater Tom.

Gisela Munz-Schmidt




Foto: Marita Hornberger Kater Tommy

Möwen

Horst Müller
Möwen am Bodensee
Mischtechnik
Möwen

Sie besetzen jeden Pfahl, 
ohne ihn je zu besitzen.

Anderes Recht gilt über dem See.

Fangen, flirren,
füttern,  fliegen,
flattern,  flitzen.

Gisela Munz-Schmidt

Schmetterlinge / Butterflies

Apollofalter
Parnassius Apollo
aus der Familie der Ritterfalter
Apollofalter

Und schwarz und weiß und rot.
Und einst ein Gott
und stolzer Ritter
zogst du mit hellen Scharen.

Und schwarz und weiß und rot.
Der Tod 
ist bitter,
und Rittern wie dir 
klingen keine Fanfaren,
und nirgends steht für dich ein Stein.

Ritter wie du
sterben still
und wie Götter
allein.

Gisela Munz-Schmidt


Parnassius Apollo

An ancient God
in marble-white divine.

A famous knight
in red-spread splendid shine.

And black plague-spots
of poisonous a time.

White, Red and Black -
the colours on your shrine.

Gisela Munz- Schmidt

Kleine Büste des großen Apollo in unserem Regal
Verluste 

Doch was verlieren wir,
wenn keine Falter mehr schweben?
Wir überleben.

Und was verlieren wir,
wenn keine Schwalben mehr gleiten?
Es kommen neue Zeiten.

Aber den Boden unter den Füßen verlieren wir,
wenn wir Hand an unsere Wurzeln legen!

Was wird dann geschehen?
Wir werden verarmen.
Und wir vergehen.

Gisela Munz-Schmidt

Butterflies ( In Sipplingen )

You see butterflies rare

in the sunlight´ s flare

at the hot hilly side.

O could like them through the air I glide!

O could I exceed

caterpillar´ s greed

and overcome the pupa´s need!

O could I fly

and swing in the blue

of the warm sky,

fly this summer with you.

Gisela Munz-Schmidt

From: My WAY ALONG LAKE Constance
verlag StadleR

Die Libelle

Ach deine starre Hülle
hängt noch am Halm.

Die Not war groß,
du kämpftest und stießst,
dann ließst du los
und härtetest dich an der harschen Luft.

Da zog ein Duft nach Wasser
dich zum Teich.

Du flogst. Nach Beute und nach Liebe. Auf deine Art.

Dein ganzer Leib ein Glanz. Die Flügel klirrend hart.



Gisela Munz-Schmidt
Foto: Johanna Wegerich