Bilder von Marita Hornberger und Texte von Gisela Munz-Schmidt

Marita Hornberger
Im Wasser

Ich liege treibend auf dem Wasser,
und es wachsen mir
Gedanken aus dem Kopf und Worte
so wie Haare.

Ich suche tastend zu ergründen,
ob das,
was wehend aus mir wächst,
ein Teil ist auch von mir,
oder ob ich,
so treibend,
ein Wesen schon geworden bin der andern Welt,
die ich nicht kenne,
ich mir selber fremd.

Ich fühle jede einzelne Wurzel aus mir wachsen
und geh mit jeder Faser auf in meinem Element
und bin mit meiner Haut und meinen Haaren
vom Wasser völlig ungetrennt wie Wasserpflanzen.
Ein abgegrenzter Teil.
Und doch ein Teil vom Ganzen.

Gisela Munz-Schmidt
Marita Hornberger
Hier steht das Rätsel.
Ich.
Meer und Nacht
sind hinter mir.

Ich bin
vor dem Tag,
vor dem Land
und vor dir.

Gisela Munz-Schmidt
Marita Hornberger
Zwar sehen wir dasselbe,
aber wir werden nie im Gleichschritt gehen.
Verbunden sind wir und allein.
Du bist, was ich war.
Was ich bin, wirst du sein.

Gisela Munz-Schmidt
Marita Hornberger
Einander die Lebensträume erfüllen.
Sich zusammen in ein Boot setzen
und die gemeinsame Reise antreten.
Sich gegenseitig wahrnehmen.
Abwechselnd rudern und ruhen.

Gisela Munz-Schmidt
Marita Hornberger
Hier ist es ein Hund.
Es könnte auch ein Pferd sein
oder eine Katze.
Ein Tier, das sich zum Menschen drängt.
Ein Mensch, der sein Herz an ein Tier hängt.
Hat eins das andere auserlesen?
Gemeinsam sind wir Lebewesen.

Gisela Munz-Schmidt