Lyrik vom Bodensee

Kategorie: Wanderwege, Lyrikweg, Sagenwege und andere

Sagenwege Owingen

Nachdem 2025 der Sagenweg in Billafingen eingeweiht wurde ( siehe Beiträge auf meiner Webseite und auf der Website der Gemeinde Owingen), stehen nun zwei Stelen mit Sagengedichten auch in Owingen.

Fangen wir mit der ersten am Schlossbühl an:

Foto: Gisela Munz-Schmidt, April 2026
Wanderkarte Owingen, die eine Stele „Schlossbühl“ steht am Waldrand an der linken unteren Ecke, die andere „Totengässele“ an der Straße nach Urzenreute.
Foto: Sigurd Koppen, April 2026

Dem Überlinger Arzt und Museumsgründer Theodor Lachmann verdanken wir die Sagensammlung, die die Grundlage für meine Sagentexte bildet.

Ausgabe Theodor Lachmann, Weißenhorn 1972
Auf Seite 109 dieser Ausgabe steht die Sage vom Schloßbühl

Vielleicht ist es verwunderlich, dass ich nur das Motiv des Jägersmannes auswählte. Natürlich ist die Geschichte der schwarzen Katze auch interessant ( siehe zahlreiche Beiträge im Internet zum Thema „ Schwarze Katzen in deutschen Sagen“) und hätte sich gut gestalten lassen.

Warum also der Jägersmann?

Wir machen uns kaum ein Bild über die Armut der Menschen in vergangener Zeit, über die ungesicherten bescheidenen Verhältnisse. Zahlreiche Kinder in den Familien verstärkten die Not. Spielsachen für Kinder kann man heute in Schlössern bestaunen, aber die arme Bevölkerung musste mit Gegenständen des täglichen Lebens vorliebnehmen. Waren Freude und das Gefühl geliebt zu werden deshalb geringer, wenn der Vater etwas besonderes mit heimbrachte? Das glaube ich nicht, und ich sehe in der Verwandlung der Tannenzapfen zu Gold eher das Symbol für Glück als für Reichtum. Liebe wird belohnt. Ist das nicht eine Botschaft, die es wert ist vorgestellt zu werden?

Auf jeder Stele befindet sich ein QR Code, und Dr. Angelika Thiel aus Taisersdorf hat die Hintergründe für die Gemeinde Owingen recherchiert und zusammengestellt.

Deshalb habe ich ihr ein Lobgedicht geschrieben:

Hommage auf Dr.Angelika Thiel

Angelika Thiel wohnt in Taisersdorf droben,
ist mit Geschichte und Sagen verwoben,
fest verwurzelt auf heimischem Boden
gab sie oft schon ihres Könnens Proben
und schlägt vom Einst zum Jetzt den Bogen
mit jedem Wort fein abgewogen -
man sollte sie in den Himmel loben,
denn sie hat einen Schatz gehoben!

Gisela Munz Schmidt

Ohne Bürgerideen, ohne Bürgermeister Henrik Wengert, ohne im Hauptamt Adelheid Hug und Jana von Eisenhart- Rothe, ohne Karl Stehle, und last not least ohne die Befürwortung durch den Gemeinderat würden diese Sagen in Büchern weiterschlummern, statt uns an alte Zeiten und gesellschaftliche Umstände erinnern zu können.

Und nun zur Stele am Totengässele,

die auch von einer Verwandlung handelt, allerdings mit tragischem Hintergrund.

Foto: Gisela Munz-Schmidt, April 2026
Theodor Lachmann, Sagen und Bräuche am Überlinger See, Weißenhorn 1972, S. 110

Die Sage handelt von der Pest, dem Schwarzen Tod, einer Seuche, die im 14. und im 17. Jahrhundert , vor allem während des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) auch in Überlingen und Umgebung unzählige Menschen hinwegraffte. Ich verweise hier auf die umfangreiche, ausführliche und anschauliche Hintergrundsbeschreibung von Angelika Thiel ( siehe QRCode und Website der Gemeinde Owingen).

Foto: Gisela Munz-Schmidt, April 2026,

Vielleicht gab es so viele kranke Menschen, dass man nicht mehr wusste, wer noch lebendig war oder wer schon tot? Oder der Fuhrmann wurde wegen seiner Nachlässigkeit mit dem Tode bestraft?

Für mich bleibt der Kern der Sage unheimlich und unerklärlich, aber er weist auf die Schmerzen, das Leid und die Nöte hin, die auf Totenwegen in Sammelgräbern endeten.

Sagenwege in Billafingen, Hohenbodman, Owingen und Taisersdorf

Diesem Mann, dem Überlinger Arzt und Museumsgründer Dr. Theodor Lachmann, verdanken wir die Überlieferung der Sagen unserer Region, denn er veröffentlichte 1909 das Buch „ Sagen und Bräuche am Überlinger See“, in dem er die Geschichten so aufschrieb, wie sie ihm die Leute erzählt hatten.

Gisela Munz-Schmidt im Städtischen Museum in Überlingen neben seiner Büste

In einem Bürgerforum zur Gemeindeentwicklung 2011 in Owingen wurde der Wunsch laut, örtliche Sagen der Öffentlichkeit zu präsentieren, und im Jubiläumsjahr 2025 machte sich ein engagiertes Team an die Arbeit:

Hauptamtsleiterin Adelheid Hug ( links) leitete das Team und Jana von Eisenhart-Rothe ( rechts) organisierte die Umsetzung und zeichnet verantwortlich für die graphische Gestaltung.
Karl Stehle war als kompetenter Berater dabei, Dr. Angelika Thiel erfasste und formulierte die Originalsagen und die historischen Hintergründe, die per QR Code vermittelt werden, und Gisela Munz-Schmidt brachte die Sagen in Versform. ( Hier beim Prototyp fehlt die Textzeile „wurde die Glocke nicht mehr gefunden,“)

Die Gesamtkonzeption sah pro Ortsteil je zwei Sagentafeln an ausgewiesenen Wegen vor. Viel Arbeit, geeignete Standorte zu finden und Genehmigungen zu erhalten!

Die Gestaltung der Tafeln orientierte sich an den Stelen des Lyrikweges, die eloxierten Aluminiumteile werden allerdings auf Holzpfähle montiert, modernes Design verbindet sich mit ländlichem Urmaterial. Ein jeweils passendes Emblem wurde von Jana von Eisenhart- Rothe eingefügt, und das jeweilige Ortswappen gibt dem Ganzen die lokale Einordnung.

Am 5. Juli 2025 wird nun in Billafingen der erste der vier Sagenwege eingeweiht.

Ein weiterer Schritt also für Owingen als Erholungsort:

die Wege zur Erholung, Entspannung und zum Wald-und Flurbaden,

die Sagen als Zugang zu Toten und Untoten, zu Taten und Untaten der Vergangenheit und zu spannenden Einblicken in gesellschaftliche und historische Gegebenheiten.

Und schon stehen die ersten Stelen!
Bürgermeister Henrik Wengert mit Gisela Munz-Schmidt und Dr. Angelika Thiel

Einweihungswanderung : Alle interessiert , gut gelaunt und gut zu Fuß!

Lyrikweg Owingen

Gedichtstele „Über Owingen“

https://www.bodensee-linzgau.de/de/tour/wanderung/lyrikweg-owingen/1493322/

Aussicht bei Gedichtstele „Über Owingen“

Seit 2022 ist Owingen als Erholungsort anerkannt.

Stele beim Haslerhof der Familie Bischoff
Apfelblüten , in unserem Garten 2022

Apfelblüten
Apfelblüten in dem grünen Kranz der Blätter,
rot und weiß und wunderbar.
Knospen, die sich öffnen blauem Himmel.
Gelbe Staubgefässe. Alle Farben gut und klar.
Apfelblüten wie ein Hinweis fernerZeiten.
Adam. Eva.
Grundgesetze. Fragen.
Von Verführung sprechen sie und von Verbannung
und dass Blüten ewig Früchte tragen.
Gisela Munz-Schmidt

Entlang des Lyrikwegs kommt man am Landbauernhof Hohreute von Simon Martin vorbei, an glücklichen Rindern, Hühnern und Alpakas.
Übrigens befindet sich der vorbildlich geführte Hofladen von Bauer Martin in der Römerstraße 30 in Überlingen bei Bambergen, mit Hofcafé. Lecker oder wie man heute sagt : yummy!
Emil ( oder Egon?) wird liebevoll von Ruby gefüttert, mit Löwenzahnblüten oder Sonnenwirbeln, wie unsere Freundin Gertrud von der Schwäbischen Alb sie nannte.

Linzgauer Jakobsweg von Wald über Pfullendorf und Owingen nach Überlingen

“Der Linzgauer Jakobsweg ist einer von zahlreichen Jakobswegen, die letztlich in den Camino Frances münden und nach Santiago de Compostela führen.“

Jutta Halder , Bodensee- Linzgau Tourismus e.V.

Genaue ausführliche Beschreibung mit Karte, Fotos und Literaturhinweisen:

bodensee-linzgau.de


AM BODENSEE

Natürlich gibt es unzählig viele schöne Wanderwege am Bodensee und in seinem Hinterland:

zum Beispiel den Hödinger Höhenweg….

Blick über den See auf das Alpsteingebirge
vom Hödinger Höhenweg

Die Reihe wird fortgesetzt…..