Willenlos ruhst du in der Septembersonne.
Und wenn du die Augen aufmachst,
betäubt dich ein Rot.
Farbenflut.
Ein Zinnoberrot.
Ein Feuerrot.
Glut.
Blut.
Wut.
Mut.
Alles gut.
Ewiges Rot.
Gisela Munz-Schmidt
Kategorie: Blumen und Bäume (Seite 1 von 3)
Ein Herz aus Gold

Eigentlich ist das schon ein Gedicht!
Es entzückt mich dieser sonnenverwirbelte Staubgefäßüberfluss
und die kleine Biene, die sich daranmacht wie an eine schön gedeckte Speisetafel, auf der schon alles serviert ist, auch ihr Lieblingsgericht, ein Hochgenuss!
Und die ganze Szene gebettet auf traumhaftes flammendes samtenes Rot.
So schön wie der Sommer! So süß wie ein Kuss!
Gisela Munz-Schmidt

Die großen glänzend grünen Rosenkäfer können sich nicht irren:
Sie flirren und fliegen
und landen und liegen
beglückt und betrunken im üppigen Schoße
meiner chinesischen Strauchpfingstrose.
Gisela Munz-Schmidt

Magnolienblüten
Auf Zweigen wie mit großer Geste
steigen wächsern weiße feste
Kelche, rosa überhaucht,
Blütenböden bräunlich eingetaucht,
Farbenfäden lila eingezogen,
überschmolzen von Erhabenheit
hoch im stolzen Tulpenbogen –
So als stünden sie fernab:
Fern der Wirklichkeit.
Fremd der Zeit.
Gisela Munz- Schmidt
aus: Bäume am Weg
Verlag Stadler, Konstanz

Magnolia
Grandeur and splendour,
generous tree,
purple or white,
a variety
of wealth and of pride,
of this special sort
that transforms a yard
into a court,
and graciously smiling
it takes you aside –
you are led into spring
by a royal guide.
Gisela Munz-Schmidt
from: A Bouquet of Flowers


Wie bekannt ist, heißen Osterglocken Narzissen, nach Narziss, einem griechischen Adonis. Ein Beau.
Narziss
An eines Sees oder Flusses Gestaden
zog er sich aus. Er wollte baden.
Im Wasser sah er sein Spiegelbild
verheißungsvoll lächeln,
betörend mild,
hinreißend wild,
mit gleichem maßlosen Begehren.
„Du bist so schön, ich liebe dich.“
Er wollte sich nicht wehren.
Und da versank er
in sich.
Er ertrank.
Gisela Munz-Schmidt
Am Ufer erblühten dann die ersten Narzissen.

Sonnengoldene Narzissen,
wie sie es wissen,
wann die rechte Zeit ist,
denn alles im Leben hat seine Zeit,
sagt der Prediger Salomo,
und jede Narzisse weiß es auch.
Und ich
muss es
Tag für Tag
lernen.
Gisela Munz-Schmidt
Osterglocken
…wiegen sich im Wind
in der Wiese und im Park
wild und kultiviert…
Gisela Munz-Schmidt
Den Frühling finden
Die Sonne, die Wärme, die Osterglocken
wollen ins Freie und Weite dich locken.
In Gärten, zwischen Polstern und Blütenkissen,
wiegen sich die Prachtnarzissen.
Oder sieh doch! Diese
stehen heiter in der Wiese
mit leuchtendem Gelb und frischem Grün,
schau nur, wie sie üppig blühen!
Schnür deine Schuh und mach dich bereit:
Jetzt kommt die unbeschwerte Zeit!
Gisela Munz-Schmidt

Amaryllis Ritterstern
Wir sehen im Winter ihn gern,
den glanzvollen Ritterstern.
Wenn seine Schönheit sich entfaltet,
vollendet in Kelchform sich umgestaltet,
erkennen wir in dieser Pracht
eine innewohnende Eigenmacht,
die von jeher ein großartiges Wunder bot.
Das zeigt er in seinem strahlenden Rot.
Gisela Munz-Schmidt
My very best wishes to all of you all over the world for a Merry Christmas 🎄 and a Happy New Year! 🍀

Amaryllis
So viel Rot,
als Grünes zu halten vermag.
Eine Blüte aus sechs Teilen.
Staubblätter wie Grüße der Sonne, der Sterne,
im Stempel ein kleines Gesicht.
Man sagt, sie solle hungern in den Zeiten,
in denen sie nicht blüht.
Eine blättrige große Zwiebel,
braun und unscheinbar.
Doch dann wächst sie los,
entschieden,
oft ohne ein grünes Blatt.
Entschlossen zum Äußersten,
und ich finde kaum so viel
gebändigte Leidenschaft
in der einer Pflanze,
als wenn sie sich entfaltet.
So viel Rot dann bis in alle Ränder,
als Grünes zu halten vermag.
Gisela Munz-Schmidt


Im Teich
ist die Seerose aufgegangen
in der Morgensonne.
Sie hat ihre Strahlen eingefangen,
die sie spiegelt,
und nun blüht sie
hell in den Tag hinein
weiß, gefasst
und allem offen.
Gisela Munz-Schmidt
Aus: Schöner Fächer Regenbogen
Gedichte über Farben in drei Sprachen

Kastanie
Bevor sie wächst und blüht und Früchte trägt,
treibt sie, damit kein Sturm sie legt,
kein Wetter sie erschlägt,
den langen Wurzelpfahl tief in den Grund.
Dann jubelt sie den Frühling ein
in vollen roten Blütenglocken,
kräftig und unerschrocken,
und spät im Herbst sind ihre Samen
glänzend, glatt und rund.
Gisela Munz- Schmidt
Aus: Bäume am Weg, Verlag Stadler



Das Violette
Ich mische kühles Blau
und warmes Rot,
und es entsteht auf der Palette
das Violette.
Die Farben früher Veilchen.
Des ersten Frühlings Lieder.
Die lila Aster spät im Jahr.
Und dann, wie wunderbar,
der Duft von frischem Flieder.
Gisela Munz- Schmidt
Aus: Lieblingsblumen


Die Mischung macht‘s
Aus dem Blau des Himmels
und dem Rot der Erde
wird hier die Farbe,
die mit ihrem Reiz und Schimmer
an beides erinnert,
und zweideutig gelten
verzaubernd wie immer
die Zwischenwelten.
Gisela Munz-Schmidt

Veilchen und Rosen
Wenn du jetzt nicht kommst,
verblühen die Veilchen.
Wenn du dann nicht kommst,
verwelken die Rosen -
und alles Blau
und alles Rot
war da
umsonst.
Gisela Munz-Schmidt
Aus: Lieblingsblumen im Jahr
Siehe auch unter Themen: Farben

Aus dem strömenden Blut des Hyazinthos
ist zarte Farbe geworden,
die immer noch strömt und betört
und von Liebe und Schmerz erzählt.
Gisela Munz- Schmidt