
Überlingen
Wie soll ich mein Gefühl beschreiben?
Hier kann alles gelingen.
Denn hier lebt die Schönheit.
Schönheit ist Liebe.
Liebe will bleiben.
Gisela Munz-Schmidt
Lyrik vom Bodensee

Überlingen
Wie soll ich mein Gefühl beschreiben?
Hier kann alles gelingen.
Denn hier lebt die Schönheit.
Schönheit ist Liebe.
Liebe will bleiben.
Gisela Munz-Schmidt

Mein Element
Das wilde Wasser ist mein Element,
wenn’s hoch in tausend Tropfen schlägt,
weil es mich nimmt und es mich kennt,
weil es mich hält und weil‘s mich trägt.
Das milde Wasser ist mein Element,
wenn‘s weich mir um die Füße spielt,
wenn‘s zärtlich an die Brust mir zielt
und weil‘s, was brennt, mir kühlt.
Gisela Munz-Schmidt
Aus: Wege zum See, Verlag Stadler Konstanz
Viele weitere Gedichte zum Thema WASSER finden Sie unter Themen: Wege zum Wasser
Eine autobiographische Anmerkung dazu:
Als ich mit vierzig Jahren den Mut fasste, meine Gedankenfülle zu formulieren und Gedichte schrieb, rief mich meine pragmatisch orientierte schwäbische Mutter an und fragte: „Was machsch denn grad?“ Ich sagte, dass ich ein Gedicht geschrieben habe. „Hasch nix Rechts zu schaffe?“ fragte sie und erkundigte sich nach dem Thema. „Über Wasser“, sagte ich. „Bildesch du dir ein, dass dir dazu was Neues einfällt?“
Ich habe einfach weitergeschrieben.
Später, als ich ihr mein erstes Bändchen über Schmetterlinge geschenkt hatte, erzählte sie mir, dass sie die Gedichte immer wieder abends lese und schön finde.
Ich habe weiter geschrieben.
Mein Vater hat gemalt:


Eines meiner liebsten Gedichte lautet: Ich liebe das Eis, wenn es schmilzt, denn ich liebe Wärme und Wasser, und ich lebe den Kreis. Gisela Munz-Schmidt
Es stimmt aber leider nicht mehr, denn: Ich fürchte das Eis, wenn es schmilzt, zum Beispiel in den Alpen oder in der Arktis, und ich hasse die Wärme, wenn sie in Hitze ausartet und Flüsse und Seen austrocknet wie in Südfrankreich und in Norditalien, und ich habe Angst vor dem Wasser, wenn es in Sturzfluten kommt wie zum Beispiel im Ahrtal oder wenn die Meeresspiegel weltweit steigen. Aber Eis, Wasser und Wärme können wirklich nichts dafür! Welchen Kreis lebe ich denn?

Delfine Glänzend begleiten die hellen Gesellen das Schiff. Sie schnellen heiter spielend über die Wellen, lächelnd und arglos im Wasser und Raum. Wir lieben sie wie kleine Kinder. Sie leben unseren Traum. Gisela Munz-Schmidt Aus: Kleine Gedichte - Große Gefühle


Wasser Mach mich doch nass - es sprinkelt und glitzert und spritzt, es perlt und trieft und tröpfelt, es wellt und quillt und patscht, es gluckst und glänzt und blubbert, es schlabbert und schlubbert, es quirlt und strudelt, es sprudelt - Wasser macht Spaß! Gisela Munz-Schmidt Aus: Wege zum See

Water It sprinkles and splishes and sploshes and splashes. It rushes and dashes. It hurts and it cools. It is fear and it‘ s fun. It fools with the wind and it smiles with the sun. Gisela Munz- Schmidt From: My Way along Lake Constance

Ein Kinderleben Ein Kinderleben, ein Kinderland, braucht Sonne und Hände, Wasser und Sand. Hinter dem Deich und hinter dem Damm hört die Welt auf, fängt die Welt an. Hinter der Düne und hinter dem Deich ist alles anders, sind alle gleich. Bei Ebbe und Flut ebbt alles ab, wird alles durchflutet, und alles ist gut. Gisela Munz-Schmidt

The Water in the Lake Water of constant flow. Water from ice and from snow, from running falls of the mountains, water of rivers and fountains, water from streams and from brooks and from wells, of rain, that fell drop by drop, water that seeps and that swells. Vapour and condensation. Abundance and concentration. Eternal circle without any stop. Gisela Munz-Schmidt From: My Way along Lake Constance
Mein Fluss. Der Neckar Wie jeder seine Bahn, wie jeder seinen Weg, so hat auch jeder seinen Fluss. Mein Fluss ist schmal und breit, fließt zügig und hat Wehre. Mein Fluss hat Arme alt und neu, fließt dicht und dunkel aus der Kinderzeit und hell und klärend durch die Zeit der Lehre. Er mündet schwer beladen. Wenn ich ihn heute suche, sehe ich, wie sich die Bahnen und die Wege ändern. Und finde doch den alten Schimmer und die alten Stege an seinen goldenen grünen Rändern. Gisela Munz-Schmidt

Das Wasser Es ist Stauung und Fluss. Entzücken. Verdrießen. Ist Stocken und Gießen. Ist Starren und Schießen. Ist Woge und Wiege und Welle. Ist Quelle, Sog, Wirbel und Schnelle. Ist Schnee auf dem Dach und ist Eis unterm Fuß. Ist Qual und ist Not und ist Strafe und Muss. Ist Kuss auf den Lippen, Glanz, Gunst und Genuss. Es ist Anfang und Mitte und Schluss. Gisela Munz-Schmidt
Das Wasser Die alte Hydra mit den vielen Köpfen und mit keinem taucht wieder auf. Du schlägst. Das Wasser weicht. Du krallst. Und hast doch leere Hände. Du dämmst es ein. Es dringt durch alle Wände. Du kannst‘s nicht zwingen, und du kannst es nicht zerbrechen. Wenn du es säuerst, wird sich´s ätzend rächen und hilft dir doch, wenn deine Kraft nicht reicht. Gisela Munz-Schmidt
Das Wasser ist wie wir Das Wasser ist wie wir. In einer weichen Wolke Schoß wird langsam reif es und bereit und wartet eine angemessene Zeit, dann löst‘s sich los. Das Wasser ist wie wir. Als kleiner Tropfen schlägt‘s ungewappnet auf. Es trifft auf eine vorbestimmte Stelle in einen Kreis und wird zur Welle und unentrinnbar rinnend beginnt es seinen Lauf. Das Wasser ist wie wir. Es will gesellig sein, bringt sich bewegt bewegend in das Leben ein, treibt um und an, wirkt hin und her im großen Strom und mündet und geht auf im Meer. Das Wasser ist wie wir. Den Kreislauf zu vollenden sucht es von Wärme angezogen den hohen Himmelsbogen. Und Enden wird zu Wenden. Das Wasser ist wie wir... Gisela Munz-Schmidt

Im Wasser Ich liege treibend auf dem Wasser, und es wachsen mir Gedanken aus dem Kopf und Worte so wie Haare. Ich suche tastend zu ergründen, ob das, was wehend aus mir wächst, ein Teil ist auch von mir, oder ob ich, so treibend, ein Wesen schon geworden bin der andern Welt, die ich nicht kenne, ich mir selber fremd. Ich fühle jede einzelne Wurzel aus mir wachsen und geh mit jeder Faser auf in meinem Element und bin mit meiner Haut und meinen Haaren vom Wasser völlig ungetrennt wie Wasserpflanzen. Ein abgegrenzter Teil. Und doch ein Teil vom Ganzen. Gisela Munz-Schmidt

Two Faces of Water Water is mild like bathing a child, tender and soothing and smoothing. Strong and seductive, hard and destructive water is wild. Gisela Munz-Schmidt From: My Way along Lake Constance

Dieses Meer Dieses Meer ist mir zu groß, wirft mich um, treibt mich aus blauer Lippen, jagt mir kalte Schauer über und über - diese harten Steine brennen in meine Füße ihre spitzen alten unmissverständlichen Zeichen: Ich bin, spricht die Erde, stärker als du, kleiner Mensch, und das sagt sie ohne Hohn, einfach so, übermächtig. Gisela Munz-Schmidt
Farewell Schwimm, Liebes, schwimm, ich halte dich nicht mehr. Du gehst hinunter und du suchst das Meer, ich werde bleiben. Schwimm, Liebes, schwimm. Die Wege trennen sich. Zwei Schiffe, die sich grüßen. Zwei Schiffe ohne Wiedersehen, die zu verschiedenen Häfen gehn, die unter anderen Farben stehn und andere Segel hissen. Zwei Menschen, die die Winde und die Zeit aus ihren Armen rissen. Die auseineinandertreiben. Und wie du bist und wie du warst werd ich mit wunden Fingern in die Haut von anderen Lieben schreiben. Ich werde dich vermissen. Gisela Munz-Schmidt
Die eine Perle
Die eine Perle
leg ich dir in deine Hand.
Ein Stück vom Meer,
ein Stück vom Land,
ein Körnchen Sand
inmitten einer großen Welt Getriebe.
Ein weicher Glanz
von Schüben, Schichten, Schalen und Erinnerungen
ganz umhüllt.
Beredt und doch verschwiegen.
Ich sah sie liegen
und ich hob sie auf.
Das Zeichen und den Zauber
der Liebe.
Gisela Munz-schmidt

Venedig Venedig liegt im Abendschein. Es glänzen Kanäle und Brücken und Plätze, es leuchten alte und neue Schätze, gelassen treffen sich Gegensätze, Wasser lebt und Stein. Gisela Munz-Schmidt


Venice An island of finest array. Presence in water cast. The glorious breath of the past. Buildings and bridges that fade or last. Reflections that change and stay. Gisela Munz-Schmidt

Venedig : Serenissima Repubblica di San Marco
Der geflügelte Markuslöwe wird mit einem aufgeschlagenen Buch dargestellt:
Inschrift: PAX TIBI MARCE EVANGELISTA MEUS
Unser Reiseführer hat uns erzählt, dass jeder Seefahrer, der glücklich von einer Handelsreise zurückkam, der Serenissima ein wertvolles Geschenk mitbringen musste. Auch deshalb wurde die Stadt so reich. Bringen wir nicht alle auch kostbare Geschenke mit von unseren Reisen?
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